Einfluss narzisstischer Eltern 

 

Leidest Du an einem geringen Selbstwertgefühl, an unerklärlichen Depressionen,  Ängsten, oder befindest Du Dich immer wieder in unglücklichen Beziehungen? Dann kann es sein, dass die Ursache in einem narzisstisch geprägten Elternhaus liegt. Vielleicht akzeptieren Deine Eltern heute, dass Du erwachsen bist und ein eigenes Leben führst. Haben Deine Eltern allerdings stark ausgeprägte narzisstische Züge, ist es gut möglich, dass das übergriffige Verhalten Deiner Eltern noch heute eure Beziehung bestimmt. Selbst mit 40, 50, oder 60 wissen Deine Eltern immer noch besser, was gut für Dich ist.

Ganz wichtig vorab: Narzisstische Eltern sind nicht von Grund auf böse, sie haben selbst eine traumatische Kindheit erlebt und haben wenig Bezug zu ihren eigenen Gefühlen entwickeln können.

Vermutlich gibt es keine Mutter, die keine narzisstischen Züge aufweist. Wie bei allem: die Dosis macht das Gift. Kindererziehung aller Zeiten unterliegt in gewisser Weise auch immer ideologischen Zeitgeistströmungen, je nach Kulturkreis unterschiedlich. Schauen wir uns die Erziehung an, unter der wir groß geworden sind, da gibt es Nachwirkungen nationalsozialistischer Ideen, rigide religiöse Vorstellungen; auch die Gegenbewegung der antiautoritären Erziehung, hat viel Verunsicherung in den Erwachsenen hinterlassen. Wir Eltern heute bemühen uns um ein liebevolles Miteinander, doch sobald der Stresslevel steigt, verfallen wir in erlernte Muster. Was stärkt die Persönlichkeit unseres Kinder, was schwächt sie? Aus meiner Sicht ist die Reflektionsbereitschaft der Eltern und das Bemühen um die eigene Persönlichkeitsentwicklung der größte Beitrag, den wir für eine gesunde Entwicklung unsere Kinder leisten können – alles eben im Rahmen unserer Möglichkeiten.

Du bist ich und ich bin Du!
Ein ganz wichtiges Merkmal narzisstischer Erziehung ist, dass es keine Trennung zwischen Elternteil und Kind gibt, es besteht eine symbiotische Verbindung. Es gibt keine klaren Grenzen zwischen der Persönlichkeit der Mutter/des Vaters und Dir, Du wirst als Teil ihrer Person angesehen. Narzisstische Eltern können es nicht zulassen, dass ihre Kinder eine eigene Persönlichkeit ausbilden, sie existieren, um Bestätigung zu geben, oder sind eine Gefahr für das sehr zerbrechliche Ich der Mutter/des Vaters.

Es gibt eine Idee wie das Kind zu sein hat

Narzisstische Eltern haben eine ganz klare Vorstellung davon, wie Du zu sein hast, wie Du sich verhalten sollst. Sie wissen ganz genau, was für Dich „gut“ ist, ohne dabei Deine Individualität zu sehen. Du darfst keinen eigenen Willen entwickeln. In dem Moment wo Du Deine natürlichen Bedürfnisse nach eigener Autonomie geltend machst, gibt es Ärger.

Eine narzisstische Eltern- Kind-Beziehung ist durch einen stark autoritären Erziehungsstil geprägt. Die Eltern stehen im Zentrum und bestimmen, was Du zu tun, zu denken und zu fühlen hast. In dieser symbiotischen Bindung hast Du kaum eine Chance eine eigene Identität auszubilden. Abweichungen von der Vorstellung der Eltern, werden mit unter hart bestraft: Schläge, Entwertungen, Blosstellen, Missachtung, Liebesentzug…

Narzisstischer Zorn

„Ich hätte Dich nie bekommen sollen!“ „Wenn Du so weiter machst, kommst Du ins Heim für schwer erziehbare Kinder!“ „Aus Dir wird nie was!“ „Ich bist zu nichts zu gebrauchen!“ Die oft unkontrollierten und unvorhersehbaren Wutausbrüche narzisstischer Eltern, erzeugen große Angst. Kinder sind sehr bemüht es den Eltern recht zu machen, um den nächsten Wutausbruch zu verhindern, doch in der Regel sind ihre Bemühungen zwecklos. So leben sie ständig in der Angst vor dem nächsten Drama. Dieser Dauerstress kann körperliche Symptome wie Bettnässen;  Bauchschmerzen; Kopfschmerzen verursachen. Genauso auch psychische Auffälligkeiten wie extreme Schüchternheit; Lernblockaden; Depression – Du bist innerlich traurig, aber immer darauf bedacht, alles richtig zu machen; oder zeigtest aggressives und auffälliges Verhalten.

Erfüllungsgehilfe für die Wünsche der Eltern

Kinder narzisstischer Eltern werden vereinnahmt und lediglich als Teil ihrer selbst wahrgenommen. Es gibt kein wirkliches Interesse an Deiner Person, Du bist lediglich Erfüllungsgehilfe für die unerfüllten Wünsche und Träume Deiner Eltern. Es interessiert sie nicht, ob Du Freude am Klavierspiel, am Skifahren, oder am Elefantenfüttern hast, die Hauptsache ist, dass das Image einer perfekten Familienidylle nach außen dargestellt wird. Es existiert kein wirkliches Miteinander, narzisstische Eltern können sich selbst mit ihren eigenen Gefühlen nicht spüren und so auch keinen echten emotionalen Kontakt zu ihren Kindern aufbauen. Deine Eltern können nicht sehen, dass Du eigene Bedürfnisse und Vorlieben hast, welche Talente und Fähigkeiten Du hast. Es geht darum, dass Du die Ihre Bedürfnisse zu befriedigen hast. Eine eigenes Gefühl, wer Du wirklich bist, konntest Du  nicht ausbilden.

Keine eigene Identität

Als Kind warst Du auf der Hut, die Erwartungen der Eltern zu erfüllen. Du hast früh verlernt zu wissen was Du willst, und welche Bedürfnisse Du hast, da Dein Fokus immer auf die Launen und Bedürfnisse Deiner Eltern gerichtet war. Du hast eine Chamäleonidentität bekommen, mit der Du Dich in allen Situationen anpassen kannst. Ganz nach dem Motto: „Da ich gar nicht mehr weiß wer ich bin, definiere mich dadurch, dass ich genau weiß, was die anderen brauchen. Ich, meine eigene Meinung ist bedeutungslos, einen eigenen Willen zu haben, bedeutet eh nur Stress.“

Emotionaler Missbrauch

Narzisstische Eltern benutzen Ihre Kinder um ihr eigenes Ich zu stabilisieren und zu verwirklichen. Wenn Du eigene Wünsch  äußerst,  wirst Du als egoistisch oder  undankbar beschimpft. Kinder narzisstischer Eltern sind als eigene Persönlichkeit inexistent. Bist Du gut und erfolgreich, werden Deine Eltern Deine Erfolge wie ihre eigene Trophäe herumgezeigt, und mit Deinen Erfolgen angegeben. Bringst Du die gewünschte Leistung nicht, wirst Du beschimpft, für das Elend der Eltern verantwortlich gemacht, oder an der schlechten Ehe der Eltern schuld. Liebe gibt es nur in Form von Anerkennung für Leistung, gute Schulnoten, gutes Benehmen, sportliche Erfolge.

Zwischen Idealisierung und Entwertung

Das Verhalten dem Kind gegenüber ist sehr ambivalent, zwischen Idealisierung und Abwertung. Bist Du brav und lieb und zeigst die gewünschten Verhaltensweisen, wirst Du gelobt und vergöttert. Funktioniert Du nicht nach den Vorgaben der Eltern, folgt eine massive Abwertung. Diese widersprüchlichen Seiten sind sehr verwirrend, zumal der Grund für das veränderte Verhalten kaum nachvollziehbar ist.  Eben wurdest Du vor der Nachbarin für Dein wunderbares Klavierspiel gelobt und jetzt, plötzlich wirst Du angeschrien, Du sollst sofort mit dem Geklimper aufhören, da es bei der Mutter rasende Kopfschmerzen auslöse. Das ist wie einer freier Fall aus größer Höhe, und hinterlässt deutliche Spuren in der Psyche. Du bist durch das unberechenbare Verhalten sehr verwirrt und hast den Bezug zu dir selbst verloren. Welche Handlung ist erwünscht, was ist falsch und wird sanktioniert?  Am besten bleibe ich still und unsichtbar, dann kann mir nichts passieren. Diese Ambivalenz im Verhalten der Eltern führt zu einem Entwicklungstrauma, was sich sich an einem Mangel an Selbstbewusstsein zeigt.

Verzerrtes Selbstbild

Durch die ständigen Erwartungen der Eltern, möglichst perfekt zu sein und die Entwertungen, falls der gewünschte Erfolg nicht erbracht wir, hast Du ein völlig falsches Selbstbild entwickelt. Das Gefühl für ein gesundes Empfinden, ein liebwerter Mensch zu sein geht verloren. Ein gesunder Selbstwert bildet sich nicht aus, dafür eine Vielzahl von negativen Glaubenssätze die Dir das spätere Leben schwer machen „Ich bin nicht gut genug“ „Ich bin nicht liebenswert“ „Ich bin schlecht“  „Ich muss perfekt sein“ „Ich darf nicht egoistisch sein“ „Ich muss mich um andere kümmern“ „Ich habe viele Fehler“ „Ich darf nicht zeigen, wer ich wirklich bin“ „Ich bekomme nicht, was ich wünsche, denn meine Wünsche sind unbedeutend“ „Ich bin wertlos“, etc.

Gelerntes Muster: Liebe heißt Missbrauch!

Kinder erwarten von ihren Eltern, dass sie gehalten und geliebt werden, tun sie es nicht, drehen es die Kinder so hin, bis sie liebenswerte Aspekte der Eltern finden können. Du hast nie eine andere Art von Liebe erfahren. Die Gefahr ist groß, wenn Du in einem narzisstischen Elternhaus großgeworden bist, das Du Dir wieder narzisstische Partner aussucht und Dich erneut in ausbeuterischen und missbräuchlichen Beziehungen wiederfindest. Die meisten Menschen, die in narzisstische Beziehungen kommen, haben dieses Beziehungsmuster bereits in ihrer Kindheit erlebt.

Setzen wir als Erwachsene uns nicht mit den erlernten Mustern auseinander, ist die Gefahr groß, dass wir die narzisstischen Verhaltensweisen an unsere eigenen Kinder weitergeben, da dieses Erziehungsmuster der vermeidlich „normale“ Umgang ist.

Emotionaler Sekundenkleber

Obwohl eine Beziehung zu narzisstischen Eltern für die Kinder sehr schmerzhaft ist, schaffen es die erwachsenen Kinder nur sehr schwer, sich aus dieser symbiotischen Verstrickung zu lösen. Da Du nie eine echte liebevolle Beziehungserfahrung gemacht hast, ist die Sehnsucht übergroß, irgendwann doch diese Liebe zu spüren. Vielleicht gelingt es ja dieses Mal, dass meine Mutter mir zuhört…

Zudem ist Dein Selbstwertgefühl so gering, dass Du Dir nicht vorstellen kannst, ohne die Unterstützung Deiner Eltern leben zu können – wobei die Eltern im Grunde gar nicht zu einer wirklichen Unterstützung in der Lage sind. Gerade in sehr dysfunktionalen Familien ist der Zusammenhalt besonders stark. Hat jemand den Mut, den Missbrauch aufzudecken, wird er aus der Sippe verstoßen, in der Regel wenden sich dann alle gegen diesen „Nestbeschmutzer“, dieser wird dann mit einem Schlag nicht nur die Eltern, sondern auch die Geschwister los.

Geschwisterkonstellationen

Gibt es mehrere Kinder in einer von Narzissmus geprägten Familie, werden die Kinder oft gegeneinander ausgespielt. Meist gibt es ein „weißes Schaf“, dieses Kind ist das Goldkind, es wird benutzt als Bedürfnisserfüller. Das „weiße Schaf ist brav, macht alles mit. Es hat früh gelernt sich anzupassen und mitzuspielen, was die Eltern von ihm erwarten.  Dann gibt es das „schwarze Schaf“, dieses rebelliert und macht genau das Gegenteil von dem , was die Eltern erwarten. Es reagiert aus Trotz, bildet aber dennoch keine eigene Persönlichkeit aus, da es einfach gegen die Vorgaben der Eltern ist.  Zum „schwarzen  Schaf“ wird ein Kind  in dem Moment, wo es seinen eigenen Willen erkennt und durchzusetzen versucht. „Schwarze Schafe“ beneiden die „weißen Schafe“ um ihre vermeintlich gute Beziehung zu den Eltern, dabei bezahlt das „weiße Schaf“ einen hohen Preis für die Anpassung an die Eltern. Hinzu kommt, dass das „schwarze Schaf“ sich der schlechten Beziehung zu den Eltern bewusst ist und in der Regel früh seinen eigenen Weg, außerhalb des Elternhauses, sucht. Das „weiße Schaf“ braucht unter Umständen sehr lange, um überhaupt die Destruktivität der narzisstischen Elternbeziehung zu erkennen, da seine Anpassungsleistung mit Anerkennung belohnt wurde. Auch in Schule und späterem Berufsleben funktioniert diese Anpassungsstrategie hervorragend. In der Regel braucht es negative Beziehungserfahrungen, oder ein Burnout, um dieses Muster zu erkennen.

Was kann ich für meine eigene Heilung tun?

Erster Schritt zur Genesung ist es, die Realität anzuerkennen. Zu sehen, dass die Eltern zu keiner wirklichen Nähe in der Lage sind und die ersehnte bedingungslose Liebe niemals zu bekommen ist.

Du hast keine Chance Deine narzisstischen Eltern zu heilen! Ein wichtiger Schritt ist es,  sich von der Vereinnahmung der Eltern zu lösen, diese klebrige Verbindung hat nichts mit Liebe und echter Beziehung zu tun.

Wichtig ist es zu erkennen, dass die Referenzen die Du von diesen Eltern  bekommen hast falsch sind. Es geht darum, die Verantwortung für die Verletzungen dorthin zu geben, wo sie hingehören: Zum Elternteil. Welche Glaubenssätze hast Dir zu eigen gemacht, die heute noch Deinen Selbstwert sabotieren?

Das Lösen aus dem Muster „Liebe ist, bedienen zu müssen“, kann schmerzhaft und langwierig sein. Auch die Überzeugung, dass Du gar nicht anders als der/die Partnerin sein darfst und im Grunde kein eigenes Ich besitzen darfst, kann in späteren Beziehungen eine große Herausforderung sein.

Der Anfang ist gemacht, wenn Du diese Zusammenhänge erkennst. Jetzt geht es darum Schritt für Schritt herauszufinden, wer Du wirklich bist! Ich wünsche Dir viel Kraft, Geduld und Durchhaltevermögen!

Der Mythos von Narziss

Narziss wird von Nemesis damit bestraft, nur sich selbst lieben zu können. Beim Trinken aus einem See verliebt er sich in sein Spiegelbild und ertrinkt bei dem Versuch es zu umarmen.

Die der mytologische Hintergung sowie viele weiterführende nützliche Informationen finden Sie auf der Seite:

http://www.narzissmus.org/der-mythos-von-narziss/

Auch den Beitrag von Demi Charf kann ich für zusätzliche Informationen empfehlen:

https://www.traumaheilung.de/narzisstische-muetter/

 

Ein interessanter Beitrag, über die Zusammenhänge wie unsere Kindheit uns als  Erwachsen geprägt hat:

 

 

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Ein Gedanke zu “Einfluss narzisstischer Eltern 

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