Zum inneren Kern finden

Die Jahresringe eines Baumes stehen für das Alter eines Baums, verraten aber auch etwas über die spezifischen Umweltbedingungen, unter denen ein Baum herangewachsen ist. Breite Ringe zeigen z. B. ein kräftiges Wachstum an, schmale Ringe verweisen auf schlechte Jahre mit vielleicht hohem Schädlingsbefall oder wenig Regen. Ovale Ringe mit einem unterschiedlich starken Wachstum deuten darauf hin, dass der Baum an einem Hang gestanden hat oder starkem Wind von einer bestimmten Seite ausgesetzt war.
Auch die Ereignisse, denen wir im Laufe unseres Leben ausgesetzt waren hinterlassen Spuren. Da gab es sicher viel Positives und Stärkendes, das uns zu dem Menschen werden lies, der wir heute sind.

Eine besondere Stellung haben gute Bindungserfahrungen. Wenn wir Sicherheit in der Bindung zu unserer Mutter erfahren haben, können wir die Welt erkunden uns unsere Eigenständig entwickeln. Auf diese Art machen wir gesunde ICH-Erfahrungen.
Dieses empfindliche Gleichgewicht kann aber leicht gestört werden. Vor allem ganz zu Beginn unseres Lebens sind wir den Bedingungen die wir vorfinden, schutzlos ausgeliefert. Je nachdem wie es unserer Mutter geht, unter welchen Umständen oder in welcher psychischen Verfassung sie uns zur Welt bringt und nährt, verändern die Bedingungen für unsere Entwicklung. Wir müssen uns anpassen an die Persönlichkeit unserer Mutter, um sie nicht zu verlieren. Dies kann zu Verstrickungen führen, die die gesunde Entwicklung der Identität verändert, verlangsamt oder ganz verhindert.

Neben der Beziehungen zur Mutter haben selbstverständlich auch alle anderen Bindungspersonen einen Einfluß auf unsere Identitätsentwicklung: der Vater, Großeltern, Geschwister, Erzieher und Leher, etc.

Sämtliche Verletzungen, egal ob physischer oder psychischer Natur haben Auswirkungen auf unsere Identitätsbildung. Jeder Mensch wird durch Verletzungen, die ihm widerfahren, in seiner gesunden Entwicklung beeinflußt.

Da gibt es Herausforderungen an denen wir wachsen, Selbstwirksamkeit erfahren und so in unserer Persönlichkeit heranreifen können.

Im Gegensatz zu diesen gesunden und stärkenden Erfahrungen, stehen traumatische Ereignisse. Traumata sind Situationen in denen wir schutz- und hilflos ausgeliefert sind. Diese Erfahrungen von Ohnmacht, aktivieren die Notfallmechanismen unseres Gehirn und die Psyche spaltet sich in drei Teile:

  1. Verletzte Anteile, die die echten Gefühle beinhalten, aber verdrängt werden
  2. Überlebensanteile, die dafür sorgen, dass der Mensch weiter funktioniert
  3. Gesunde Anteile, die die Aufhebung der Spaltung wollen und den Heilungsprozess fördern

Die psychische Aufspaltungen, ermöglicht es uns, die überfordernden Situationen zunächst zu überstehen und mehr oder weniger gut weiter leben zu können. Dieser Mechanismus schützt uns Menschen vor den Gefühlen und dem Stress, der nicht zu ertragen gewesen wäre, als wir in dieser Situation waren.

Unsere Psyche spaltet sich in Anteile, die das Überleben sichern und traumatisierte Anteile, die verdrängt werden, um nicht mehr gespürt zu werden. Ein bestimmter Teil unserer Persönlichkeit besteht zum Glück weiterhin aus gesunden Anteilen, die den Wunsch beinhalten wieder zu der Person zu werden, die wir eigentlich sind.

Die abgespaltenen Traumaerfahrungen verbleiben aber immer in unserem Köper und fordern permanent Energie. Unter der Oberfläche brodelt es förmlich und wir haben ein latent höheres Stressniveau als vor der Traumaerfahrung.

Die Arbeit mit dem Anliegensatz kann helfen zu erkennen, welche Anteile zur gesunden ICH-Struktur gehören, welche Traumaanteile in uns stecken geblieben sind und welche Überlebensstrategien wir uns angeeignet haben. Ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur eigenen Identität ist die Unterscheidungsfähigkeit: Was will ich oder was wollen andere von mir?

„…denn die wahre Entscheidung ist nicht die zwischen zwei Sorten Zahnpasta, zwei Frauen oder zwei Autos. Die wahre Entscheidung ist die, du selbst zu sein.“

(Tiziano Terzani)

Es ist mittlerweile vielfach belegt, dass traumatisierende Erfahrungen besser verarbeitet werden, wenn der betroffene Mensch sich anderen mitteilen kann und/oder Verständnis für seine Gefühle, Stimmungen und Reaktionen spürt.

Wer sich mitteilt und auf Verständnis stößt erlebt Zugehörigkeit und kann traumatisierende Erfahrungen besser verarbeiten.

 

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