Paar bleiben auch in schwierigen Zeiten

Plötzlich ist er da. Der Moment, in dem wir unserem Partner gegenübersitzen, und uns fragen, ob das alles gewesen sein soll? Ob wir wirklich den Rest unseres Lebens mit diesem Menschen verbringen möchten? Wir erinnern uns kaum mehr an die knisternde Zeit am Anfang der Beziehung, täglich der gleiche Trott.

Wir sind groß geworden  mit Märchen, in denen der Prinz harte Prüfungen zu bestehen hat, bis er die Hand seiner Angebeteten bekommt. Darauf folgt die Hochzeit, das Glück ist perfekt und dann lebten Sie glücklich bis ans Lebensende.

Die großen Hollywoodfilme enden mit dem ersten Kuss, auch hier scheint das Happy End gesichert. Bekommen wir das mit dem Glücklichsein bis ans Lebensende nicht hin, haben wir vermutlich falsch gewählt. Mit dem richtigen Partner, hätten wie die Schwierigkeiten in denen wir stecken bestimmt nicht.

Die Realität ist aus meiner Erfahrung heraus eine andere. Ich erlebe täglich Paare, die nach einer frustrierenden Zeit der Anklage, der Langeweile und des Streits, das Projekt Ehe für gescheitert erklären und sich aufmachen, erneut das Glück in einer neuen Beziehung zu suchen. Zuerst ist es meist gar nicht so einfach einen geeigneter Kandidat bzw. Kandidaten zu finden, da die Erwartungen mit den Jahren gestiegen sind. Wird also erneut der vermeintliche Traumpartner gefunden, scheint das Glück perfekt, bis sich spätestens nach zwei Jahren herausstellt, dass auch diese Wahl leider wieder eine Enttäuschung ist. Wie kann das sein? Verlieben wir uns immer in die falschen Menschen?

Wir folgen unseren Wünschen und Sehnsüchten und hoffen, durch den „richtigen“ Partner Glück und Erfüllung zu finden. Es liegt nicht daran, dass wir uns in die falschen Menschen verlieben, es liegt viel mehr, an unseren falschen Erwartungen!

Eigene Bedürfnisse kommunizieren

Das häufigste Missverständnis, das in langjährigen Beziehungen für Frust sorgt ist, dass Partner glauben sich zu kennen, sie meinen genau zu wissen wie der andere tickt. Und selbstverständlich sollte demnach auch der Partner wissen, wonach wir uns – ohne es zu sagen – sehnen.

Blindes Verständnis füreinander, welches tatsächlich in der ersten Verliebtsheitsphase  vorhanden war, setzten wir auch im späteren Verlauf der Beziehung voraus. Wir sind bitter enttäuscht, wenn das, was wir in unserem Kopf zurechtgelegt haben nicht eintritt. Gerade weil wir über unsere Bedürfnisse nicht sprechen, sorgen wir für viele Missverständnisse und Frust. Dadurch schrumpft nicht nur das Verständnis füreinander, sondern auch die Bereitschaft, dem anderen eine Freude zu bereiten.

Der Schlüssel ist Kommunikation: über die eigenen Gefühle, die eigenen Bedürfnisse, die eigene Innenwelt. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass wir uns selber im Klaren drüber sind, was wir brauchen. Denn sind wir mal ehrlich, viel einfacher ist es, die eigene Unzufriedenheit, der angeblichen Unaufmerksamkeit des Partners in die Schuhe zu schieben. Es erfordert mehr Mut und Arbeit, sich selber an der Nase zu packen und zu schauen, was im eigenen Getriebe nicht rund läuft.

Mein Glück- meine Verantwortung

Viele Schlager haben Titel wie: „Du bist mein Leben“ “ Du bist mein alles“  Das Glück meins Lebens“

Das hört sich am Anfang ja vielleicht ganz romantisch an, doch stimmt das wirklich? Das ist die komplette Überforderung! Dieses hohe Ideal kann kein Mensch erfüllen, da ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Und hier tatsächlich in ganz wörtlichem Sinne Ent – Täuschung – das Ende einer Täuschung. Jeder hat seine ganz eigene Wünsche und Bedürfnisse, die kein anderer Mensch dauerhaft erfüllen kann. Ganz schwierig wird es, wenn ich von meinem Partner erwarte, dass er weiß was ich brauche, ohne dies jemals kommuniziert zu haben. „Wenn Du mich wirklich lieben würdest, wüsstest Du was mir fehlt!“

Kein Mensch auf der Welt ist in der Lage uns dauerhaft glücklich zu machen. Jeder Mensch ist auf der Suche nach Liebe und Anerkennung, die meisten von uns haben in Ihrere Kindheit diese bedingungslose Annahme von ihren Eltern nicht erhalten. Diesen Mangel an Bestätigung versuchen wir durch unserer Liebespartner gestillt zu bekommen. Am Anfang der Verliebtheit, im Rausch der Hormone, scheint dieser wunderbare Mensch die perfekte Ergänzung zu sein, zusammen sind wir ein unschlagbares Team. Lässt der Hormonrausch nach, relativiert sich das Bild, störende Eigenheiten, die im Licht der rosa Brille ausgefiltert wurden, treten zutage. Jetzt mit einem wiedergewonnen klaren Blick, ist der andere gar nicht so toll wie gedacht – schon wieder falsch gewählt?

Alte Beziehungsmuster wirken nach

Unsere Partnerwahl hat sehr viel mit uns selber zu tun. Die Atmosphäre in der wir groß geworden sind, entscheidet darüber in wen wir uns verlieben. Unbewusst entscheiden wir uns für Partner, die ähnliche Persönlichkeitsstruturen haben, wie wir sie in unserem Elternhaus erlebt haben. Wenn wir richtig verliebt sind, glauben wir endlich angekommen zu sein, ein Gefühl von Vertrautheit und Heimat stellt sich ein.

Das bestätigt sich dann in gewisser Weise genau so, allerdings auf eine Art die wir uns nicht gewünscht haben. Die liebevolle Partnerin ist nach einer gewissen Zeit genauso so kontrollierend wie unsere Mutter, der sanfte Ehemann entpuppt sich über die Zeit als cholerischer  Rechthaber, genau wie unser Vater. Schlagartig sind wir verletzt und zu tiefst gekränkt, wir kann der Mensch von dem wir geglaubt haben er/sei sei unsere große Liebe uns so verletzten? Getroffen ziehen wir uns zurück, oder beginnen einen lautstarken Streit.

Wir glauben an dem ganzen Schlammassel sei der Partner schuld. Wenn der nicht so gemein und rücksichtslos wäre, wäre alles gut. Doch wenn wir inne halten und genau hinschauen, triggert der Partner alte Wunden und Verletzungen, die wir seit unserer Kindheit oder aus früheren Beziehungen mit uns herum tragen.

Anstatt also wütend und enttäuscht über unseren Partner zu sein, können wir uns mit uns selber auseinander setzten, woher rührt unsere Verletzbarkeit in diesem Punkt, und was können wir selber tun, um diese Wunde zu heilen?

Je höher der aktuelle Stresslevel ist (bedingt durch berufliche Anspannung, kleine Kinder, Schlafmangel, finanzielle Sorgen, Krankheit, etc.) desto stärker greifen alte Notfallprogramme, wie Flucht, Angriff oder Totstellen. Die aktuelle Konfliktsituation triggert Gefühle, die an alte Erfahrungen anknüpfen, unvermittelt fühlen wir uns genauso hilflos ausgeliefert, wie damals als wir von unserer Mutter oder Vater gemaßregelt wurden. Wir fühlen uns genau so hilflos, wie das kleine Kind, dass wir damals waren. Und verlieren durch die emotionale Überflutung alter Gefühle völlig den Bezug zum hier und jetzt. Heute sind wir Erwachsen und könnten uns theoretisch  wehren oder verteidigen, was das kleine Kind damals auf Grund der Übermacht der Eltern tatsächlich nicht konnte. Wenn wir inne halten, tief durchatmen und uns dieses Zusammenhangs bewusst werden, kann es gelingen, adäquat auf die Situation zu reagieren, mit allen Möglichkeiten, die uns als erwachsene Menschen zur Verfügung stehen.

Mangelnde Selbstregulation

Sind wir sehr leicht gekränkt, beleidigt, wütend oder aufbrausend, ist das ein Zeichen dafür, dass wir ein Mangel an Selbstregulationsfähigkeit haben. Die meisten Beziehungsproblem haben ihre Ursache in einem Defizite an Selbstregulationsfähigkeit. Selbstregulation bedeutet die Fähigkeiten, mit der Menschen ihre Aufmerksamkeit, Emotionen, Impulse und Handlungen steuern können. Reagieren wir stark emotional, ist dies zwar eine Reaktion auf ein Verhalten unseres Partners, verlieren wir aber die Kontrolle über unsere Gefühle, liegt das viel mehr an unserer Selbstregulation, als an dem tatsächlichen Verhalten von außen.

Gerade in einer Partnerschaft kennen wir die wunden Punkte unseres Gegenübers sehr genau. Werden wir verletzt, wissen wir präzise, wie wir im Gegenzug unseren Partner treffen können. So wird schnell aus einer Lappalie ein handfester Streit.

Wenn wir uns um einen besonnen Umgang auch in schwierigen Situationen bemühen, können wir uns gegenseitig dabei unterstützen, deeskalierend zu reagieren. Dies gelingt, wenn wir auf eine verletzende Bemerkung nicht sofort zurück schießen, sondern tief durchatmen und ruhig bleiben. Hören wir uns an, was der Partner zu sagen hat. Und kümmern uns später um unsere Verletzlichkeit. Warum trifft uns gerade diese Aussage so tief? In der Regel hat diese emotionale Getroffenheit mit früheren Verletzungen zu, meist schon aus unserer Kindheit, unser Partner hat daran der geringste Anteil.

Schwierige Beziehungen fordern uns heraus, sie sind aber auch eine große Chance uns selber in unseren Reaktionsmustern besser zu verstehen. Gelingt es uns, diese Chance zu nutzen erfahren wir viel über uns selber und erkennen immer mehr wer wir eigentlich sind!

Mit Veränderungen umgehen

Alles fließt und verändert sich. Wir sind nicht mehr dieselben wie am Anfang unserer Beziehung und unsere Partner auch nicht. Gemeinsame Kinder verändern die Paardynamik und das eigene Wohlbefinden sehr.

Es ist eine Herausforderung Kinder, Karriere, Familie und Partnerschaft unter einen Hut zu bringen. Man fragt sich, wann man den Partner zum letzten Mal wirklich bewusst wahrgenommen hat. Das passiert vor allem, wenn der Alltag wieder mehr Luft zum Atmen lässt, wenn die Kinder größer geworden sind oder – ganz banal – weil Ferien sind. Dann kann es passieren, dass einem das Gefühl von Entfremdung kalt erwischt. Kein Grund zur Panik! Das bedeutet nicht das Ende der Beziehung. Es ist ein Warnsignal, dass die Paarbeziehung schon lange vernachlässigt wurde, der Mensch an unserer Seite ist und fremd geworden. Es ist Zeit für einen Neuanfang, um sich wieder ganz behutsam neu zu entdecken. Gemeinsam Zeit verbringen, Aktivitäten entdecken, die beiden Spaß machen. Egal, was man unternimmt, Hauptsache, beide haben wirklich Lust darauf: eine Bergtour, ein Tanzkurs, vielleicht ein Einkehrwochenende im Kloster….

Sich die guten Seiten bewusst machen

Wenn wir uns fragen, wann wir uns zuletzt ehrlich für unseren Partner interessiert haben, ihn zugewandt gefragt haben, wie sein Tag gewesen ist, fällt auf: Der liebevolle Blick auf den anderen kommt schnell zu kurz. Eigentlich schade, viel zu sehr fokussieren wir uns in der Partnerschaft auf das, was nicht läuft. Das Problem dabei ist, je mehr Aufmerksamkeit wir einer Sache geben, desto größer wird sie. Das gilt auch für die Dinge, die uns in einer Beziehung stören. Es wird also höchste Zeit für einen Perspektivwechsel! Die Vorweihnachtszeit, das Fest der Liebe eignet sich besonders, sich auf positiven Seiten des Partners zu konzentrieren.

Was ist es, dass mich ganz am Anfang so an diesem Menschen fasziniert hat. Welche Eigenschaften finde ich besonders schön, aufregend und liebenswert? Vielleicht ist es sein Humor, der mich auch in schwierigen Situationen zum Lachen bringt? Ich genieße die wohlige Wärme, wenn er mich in den Arm nimmt. Es ist schön, zuhause ein leckeres Essen zu bekommen. Ich freue mich, über ihren liebevollen Umgang mit unseren Kindern, das habe ich in meiner Kindheit vermisst. Ich bin dankbar, dass ich mir keine Sorgen machen muss, wie die Rechnungen zu bezahlen sind. Die Liste lässt sich unendlich weiter führen. Wenn Sie genau hinschauen, finden Sie unzählige Dinge, die nicht selbstverständlich sind und für die es sich lohnt dankbar zu sein.

In diesem Sinne eine frohe Adventszeit!

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