Allgemein, Psychologie, Verhaltensänderung

„Morgenseiten“ schreiben nach Julia Cameron

Das Konzept der „Morgenseiten “, geht auf die Bestseller-Autorin und Kreativtrainerin Julia Cameron zurück.

Es geht ganz einfach!

Sie schreiben jeden Morgen drei DIN A4 Seiten lang ungekürzt das auf, was Ihnen in den Sinn kommt. Schreiben Sie so schnell wie möglich, so unzensiert wie möglich diese drei Seiten voll.

Wenn Sie weniger schreiben, sind Sie möglicherweise noch nicht wirklich im Fluss, „denken“ noch zu viel beim Schreiben.

Es geht nicht darum, ein bestimmtes Thema zu verfolgen oder gar einen „richtigen“ Text hinzulegen. Im Gegenteil, diese Art von Zensur wollen Ihnen die Morgenseiten austreiben. Sie sind auch kein Tagebuch, in dem Sie festhalten, was Sie so alles erlebt haben.

Ziel der Morgenseiten ist es, zu Schreiben. Nicht, etwas Bestimmtes zu schreiben. Selbst wenn das bedeutet, dass Sie scheinbar nur „Mist“ produzieren: Gefühlsausbrüche, Nichtigkeiten, das Wetter, Ihre Befürchtungen für den Tag, Beziehungskonflikte, die bevorstehende Arbeit, Wünsche, Hoffnungen….

Wichtig ist lediglich, dass Sie schreiben. Und das, wie gesagt, am besten so schnell, vor allem aber so unzensiert wie möglich.

Deshalb empfiehlt Julia Cameron auch, mit der Hand zu schreiben.

Und wichtig, dass Sie morgens schreiben. Sozusagen als Start in den noch unbeschriebenen Tag. Ihre Morgenseiten sind für Sie, Ihr ganz persönlicher Ort, an dem Sie sich so zeigen können, wie Sie sind – mit all Ihren Fehler, kleinen Gemeinheiten, Ihren Hoffnungen und Träumen. Ungeschminkt und ungeschönt.

Wofür der Aufwand?

Die Morgenseiten sind eine Möglichkeit, ein bisschen „Großreine“ zu machen und mentalen Abfall loszuwerden, bevor Sie sich in den Tag stürzen. All die kleinen Ärgernisse und unguten Gefühle können Sie hier abladen, bevor sie in der Welt Schaden anrichten.

Wenn Sie das regelmäßig machen, werden Sie automatisch anfangen, Ihre Sicht der Dinge zu hinterfragen. Niemand kann sich nonstop selbst bemitleiden oder sich über seine Lieblingsfeinde ärgern.

Sie lernen sich besser kennen lernen. Ungeschminkt, ungefiltert, und ohne die Verkleidungen und Masken, die wir anderen gegenüber so gern zu tragen pflegen – bis wir selbst an sie glauben.

Sie können mit den verschiedenen „Stimmen“ in sich in Verbindung treten. Mit den vielen Wesensanteilen und „Rollen“, aus denen sich jeder von uns zusammensetzt. Mit dem Mahner, der Optimistin, dem besorgten Vater, der taffen Chefin, und so weiter.

Vielleicht werden Sie auch Stimmen entdecken, die Sie im Alltag unterdrücken oder die Sie schon vor Jahren verloren zu haben meinen. Lassen Sie sie raus. Zuerst hier auf dem Papier, und Stück für Stück dann „in real life“. Das hilft Ihnen, ausgeglichener, „vollständiger“ zu werden.

Das Gleiche gilt auch für Ihr Leben und Ihre Vergangenheit. Viele von uns haben sich auch hier – bewusst oder unbewusst – ausgebremst, Erinnerungen abgeblockt, alte Wünsche und Träume begraben. Mit dem, was die Morgenseiten zutage bringen, können Sie wieder Anschluss an diesen Teil Ihres Selbst herstellen.

Und schließlich muss das Ganze nicht auf Sie begrenzt bleiben: Sie werden nicht nur sich selbst besser kennen lernen. Ihre Beobachtungen, Erinnerungen, kurz, Ihre Beschäftigung mit Ihren Mitmenschen wird Ihnen helfen, diese ebenfalls besser wahrzunehmen und ihr Verhalten leichter zu verstehen.

Wundert es Sie da noch, wenn ich Ihnen sage, dass die Morgenseiten nicht nur ein gutes Instrument für die eigene Persönlichkeitsentwicklung sind, sondern auch gut für Ihre Kreativität?

Perspektivwechsel, Einfühlung in andere, der Abbau von Blockaden, das Ausleben vielleicht unterdrückter Persönlichkeitsanteile, der Zugang zu Erinnerungen und Assoziationen, der ungefilterte und unzensierte Umgang mit seinen Gedanken … all das und mehr sind Grundvoraussetzungen für unsere Kreativität.

Oder wie der Psychologe Howard Gardner beobachtet hat: Viele kreative Menschen zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie in irgendeiner Weise täglich über sich und ihre Umwelt nachdenken und reflektieren.

Vielleicht machen Sie das sowieso schon, indem Sie zum Beispiel meditieren oder, wie ich Selbstgespräche führen. Dann könnten Sie versuchen, Ihre Morgenseiten zu integrieren. Vielleicht ist diese Praxis auch völlig neu für Sie. In jedem Fall sind die Morgenseiten ein gutes Instrument, um leichter Zugang zu Ihrem Ich und Ihrer Kreativität zu gewinnen.

Und das sogar dann, wenn Sie nicht jeden Tag volle drei Seiten schaffen sollten. Es geht um das Prinzip, nicht das buchstabengetreue Befolgen der Methode. Steigern können Sie sich schließlich immer noch.

In diesem Sinne, Viel Freude beim Schreiben und gute Erkenntnisse!

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