Allgemein

Leben hier und jetzt, bedeutet das Karmaarbeit?

Im Hinduismus und Buddismus ist die Reinkarnation ein zentraler Bestandteil des Glaubens. Da gibt es karmische Verstrickungen, die Leiden rechtfertigen, quasi als Strafe für Sünden aus früheren Leben. Da gibt es Menschen, die sich bemühen Gutes zu tun, um im nächsten Leben in besseren Verhältnissen geboren werden. Ausgleichende Gerechtigkeit für alle! Wir wissen ja wirklich nicht, was uns erwartet, so schien mir das recht schlüssig.

Allmählich kommen mir Zweifel an dieser Idee, irgendwie passt was nicht zusammen. Ich erinnere mich an ein Buch von Clemens Kuby. Er empfiehlt, man solle schon heute visualisieren, wie man sich sein nächstes Leben wünscht.

Ich bin voll und ganz mit meinem Leben hier und jetzt beschäftigt, woher kann ich wissen, welches Lebensmodell wohl besser für mich wäre? Ich habe schon meine Schwierigkeiten damit, Empfehlungen zu folgen, die sagen man solle sich Ziele für die Zukunft machen, damit man seinem Leben eine konkrete Richtung gibt. Meine Erfahrung im Leben ist die, dass vieles anders kommt, wie man es  geplant hat und die wertvollsten Erfahrungen meines Lebens, hätte ich niemals selbst gewählt. Dabei waren es genau diese Herausforderungen – die manchmal schmerzhaft waren – die aus heutiger Sicht die wertvollsten Erfahrungen sind.

Meditieren, um Erkenntnis zu gewinnen, um im nächsten Leben eine höhere Bewusstseinsstufe zu erreichen. Was ist dann mit dem Leben heute – hier und jetzt?

Leben um zu, das stößt mir irgendwie auf.

Annehmen was ist –  heute zu leben und zu wissen, dass alles zur rechten Zeit in mein Leben kommen wird – alles eingeschlossen Gutes wie Schmerzhaftes. Dann ist das Leben, ganz konkret mein Leben, mein größter Weisheitslehrer. Mein Leben, vor allem mein Stress zeigt mir, wo ich nicht geistesgegenwärtig, nicht bei mir selber bin.

Mit Reinkarnationstherapie habe ich mich beschäftigt und kam zu einem ähnlichen Schluss. Das Leben ist viel weiser als unser Verstand. Heute, hier und jetzt bin ich mit Herausforderungen konfrontiert, die der Schlüssel zur Heilung sind, wenn ich die dahinter verborgene Chance bereit bin zu sehen. Da brauche ich nicht mögliche frühere Leben konsultieren.

Dann stelle ich auch den Gedanken der Reinkarnation ernsthaft in Frage. Viel interessanter finde ich folgenden Gedanken:  Leben ist und war immer schon perfekt, die perfekte Chance um zu erkennnen, dass wir alle ein Teil der göttlichen Realität sind.

Meister Eckhardt sagt: Wenn ich zurückkomme in Gott… Wenn ich in den Grund, in den Boden, in den Strom und in die Quelle der Gottheit komme, so fragt mich niemand, woher ich komme, oder wo ich gewesen sei. Dort hat mich niemand vermisst. Ich war nicht fort. Nie bin ich aus Gott herausgefallen.

Willigis Jäger schreibt: „Geborenwerden und Sterben ist die Struktur Gottes. Es gibt keinen Tod, es gibt nur das Sich-Selbst-Gebären Gottes im Kommen und Gehen. Und das Vergehen ist ebenso bedeutsam wie das Wiederkommen. […,] So wie ich bin, bin ich die Manifestation der Urwirklichkeit Gott. Meine wirkliche Aufgabe ist es, Mensch zu sein. Mensch mit allen seinen Potenzen. […] In jeder möglichen Gestalt bin ich die Gestalt Gottes. Und das ist der eigentliche Auftrag, den ich habe: Gott zu leben in dieser Gestalt und mein Leben zu zelebrieren als Leben Gottes. Das göttliche Urprinzip lässt sich gar nicht verfehlen. […]Erlösung ist immer da. Wir haben uns nur für sie zu öffnen. Sie ist nicht etwas das kommt. Die Kräfte der Urwirklichkeit, der wir so viele Namen gegeben haben, ist die eigentliche Triebkraft. Wir machen nicht unsere Erlösung, wir öffnen und für unsere Erlösung. Erlösung ist das Erkennen unseres göttlichen Lebens. (aus „Das Leben endet nie“)

Wenn ich alles, was mir in meinem Leben widerfährt willkommen heiße, dann ist das für mich der Schlüssel zu innerem Frieden. Dann brauche ich keine Praktik, keine Konzepte, um irgendwann irgendwo hinzukommen wo alles besser ist. Dann kann ich Lieben was ist, heute hier und jetzt!

panta rhei – alles fließt (Heraklit)
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Weiterführende Literatur:

Willigis Jäger: „Das Leben endet nie“

Eckhardt Tolle: „Jetzt!“

Françoise Egli und René Egli: „Das Lola-Prinzip – Teil2“ (Unbedingt Teil 2!!!)

Mortitz Boerner: „Byron Katies The Work“

Neale Donald Walsch: „Gespräche mit Gott“

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