Verhaltensänderung, Versöhnung

Mein Ärger gehört mir!

Wenn ich mich ärgere hat das in erster Linie etwas mit mir selbst zu tun. Wenn ich bereit bin, genau hinzuschauen, kann ich in meinem Ärger mich selbst erkennen. Es ist Gnade, wenn das gelingt.

Alles was mir in meinem Leben widerfährt hat mit mir zu tun. Sie meinen, das kann doch nicht sein, welch ein Schwachsinn. Ich versuche Ihnen ein Gefühl dafür zu geben, dass wirklicher Friede nur so funktionieren kann.

Heute war ich mal wieder auf einem spannenden Meditationsseminar. Es ging um verschiedene Atemübungen, um zu sich zu kommen, seine stressigen Gedanken mit Hilfe von meditativer Atmung zu transformieren. Der Grundtenor war, dass unser Atmung meist nur in der Brust stattfindet. Das hat zur Folge, dass unser Körper und unser Herz dadurch verkrampfen. Durch tiefes Atmen, können diese Blockaden gelöst werden, festgehaltene Emotionen werden frei. Dies führt zu mehr Gelassenheit und geistiger Stärke. Die verbesserte Selbstwahrnehmung steigert das individuelle Selbstwertgefühl. Soweit so gut, da kann ich voll zustimmen. Doch dann wurde es spannend.

Die Frage war, was mache ich, wenn ich in stressvolle Situationen komme:  Ich erkenne, dass es das Leben in Grunde gut meint und versuche zu meinem inneren Frieden zurückzukehren. Großmütig vergebe ich meinem Gegenüber, der/diejenige so unbewusst reagiert hat, so wenig empathisch, etc. Jeder ist selbst für sein Karma zuständig, und jede negative Handlung wird ausgeglichen, das heißt irgendwann wird der andere zur Rechenschaft gezogen werden.

Ganz ehrlich, ist das innerer Friede ???

Ich vergebe ganz großherzig, weil ich so weise bin und Du armer Tropf musst das halt noch lernen. So fühlt sich das für mich an. Automatisch entsteht ein Gefälle, wir begegnen uns nicht mehr auf Augenhöhe, sondern ich ziehe mich erhoben Hauptes in meinen inneren Meditationspalast zurück.

Wenn ich noch „weiter“ bin , öffne ich mein Herz, für das Leiden, die Wut dieses Menschen und ich empfinde tiefes Mitgefühl. In der Praxis kommen wir meist gar nicht soweit, weil wir mit unserem eigenen Ärger beschäftigt sind. Dann müssen wir halt noch mehr meditieren, und nach Weisheit suchen.

Ein Beispiel, das genannt wurde: Der Schwager, der im Nachbarhaus wohnt steigt im Herbst regelmäßig über den Gartenzaun und pflückt die Äpfel in unserem Garten. Früher entstand dadurch viel Streit und Kampf, doch alle Bemühungen scheiterten, er änderte sein Verhalten nicht. Inzwischen hat die Familie zähneknirschend akzeptiert, dass der 65 -jähige Onkel sich nicht mehr ändern wird. Doch nach innerem Frieden hat es sich für mich nicht angefühlt.

Wie kann es dann gehen?

Wir könnten genau hinschauen, was das mit uns selber zu tun hat. Häh, was kann der über den gartenzaunsteigende Onkel mit mir zu tun haben?

Anstatt mich täglich zu ärgern, oder täglich meinen Ärger weg zu meditieren, könnte ich offen sein für den Gedanken, dass das Ganze vielleicht in erster Line etwas mit mir zu tun hat. Ich könnte mich fragen, über welche Gartenzäune ich selber verbotenerweise steige. Gibt es in meinem Leben Situationen, in denen ich selber Grenzüberschreitungen mache? Denn wenn das Leben es wirklich gut mit mir meint, dann sind alle Situationen für mich bestimmt. Alles was mir widerfährt ist dazu da, dass ich lernen kann.

So eine Haltung führt mich zu wirklichem inneren Frieden, dann brauch ich nämlich nicht mehr mit der Welt, den Menschen um mich herum hadern. Sondern ich sehe die Chancen die sich mir bieten. Dann sind alle Erlebnisse meines Lebens ein Geschenk, um mich selber zu erkennen. Wenn ich ehrlich hinspüre, sehe ich dass die Umkehrung der Geschichte genau so wahr ist, auch ich überschreite ab und zu Grenzen. Sobald sich Stress meldet, weiß ich dass in mir etwas noch keinen Frieden gefunden hat.

Hurra, dann meint es das Leben wirklich gut mit mir!

Jeder muss seinen Frieden in sich selber finden, und soll der Friede echt sein, darf er nicht von äußeren Umständen beeinflusst sein.“ (Mahatma Gandhi)

Weiterführende Literatur

Byron Katie: Lieben was ist

Colin Tipping: Ich vergeben: Der radikale Abschied vom Opferdasein

Verena Kast: Vom Sinn des Ärgers

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