Was sind hysterische Menschen und wie ist mit Ihnen umzugehen?

Hysterie, eine Störung, die mit sehr viel negativen Assoziationen behaftet ist. Da das Wort Hysterie schon fast zu einem Schimpfwort geworden ist, spricht man heute von einer histrionischen Persönlichkeitsstörung.

Warum ist das Leben mit einem hysterischen Menschen so anstrengend?
Ziel dieses Textes  ist es, zunächst dem Phänomen der Hysterie auf den Grund zu gehen. In einem weiteren Schritt soll dargestellt werden, was aus therapeutischer Sicht im Umgang mit Hysterikern zu beachten ist. Und in einem dritten Aspekt wird dargestellt, wie Angehörige unterstützt werden können, um den Alltag mit einem Hysteriker besser bewältigen zu können.


Was sind die Merkmale der Hysterie?
Es gibt wohl kaum eine Persönlichkeitsstörung, die derart negativ belegt ist und zwar gleichermaßen von Laien wie auch von Fachleuten. In der Fachliteratur gibt es kaum Texte, die den Hysteriker nicht diskriminierend darstellen.
Folgende Merkmale werden hysterische Menschen zugeschrieben:

  • sie werden als egoistisch, exaltiert und selbstsüchtig bezeichnet.
  • sie fallen durch Ihr theatralisches Verhalten auf .
  • hysterische Menschen gebrauchen ihre Mitmenschen,
  • haben kein Mitgefühl und
  • manipulieren durch Ihre Suggestiven Fähigkeiten.
  • ihre Erscheinung ist unangemessen verführerisch,
  • sie haben ein übermäßiges Interesse an körperlicher Attraktivität .
  • typisch ist ein andauerndes Verlangen nach Aufregung und Anerkennung durch andere und Aktivitäten, bei denen die betreffende Person im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht.
  • sie haben eine ausgeprägte Neigung , die Fürsorge Ihrer Mitmenschen durch vorgetäuschte Krankheiten zu erpressen.
  • durch geschickte Schuldzuweisungen schaffen Sie es, Ihr Umfeld zur Verzweiflung zu bringen. Bleibt aber der Zuspruch Ihrer Mitmenschen aus, sind Sie sehr kränkbar und verletzlich.

Das Zusammenleben mit so einem Menschen ist zweifelsohne schwierig. Für einen konstruktiven Umgang  ist es zunächst wichtig, sich in die innere Welt des Hysterikers einzufühlen und seine Sicht der Dinge wahrzunehmen. Zu spüren wie er  seine Mitmenschen erlebt, worin er seinen Lebenssinn findet?
Anhand eines fiktiven Beispiels, namens Berta möchte ich das Werteerleben eines Hysterikers darstellen. Dies bedeutet nicht, dass nicht auch Männer hysterisch sein können. Gleiches gilt auch für Berthold.

Berta ist eine junge Frau um die dreißig. Sie ist sehr attraktiv und sportlich. Bereits als kleines Mädchen wurde Sie in Kunstturnen trainiert, wobei von ihren Eltern ein besonderes Augenmerk auf ihre adrette Erscheinung gelegt wurde. Inzwischen hat sich diese Fokussierung auf ihr äußeres Erscheinungsbild verselbstständigt. Ihr primäres Bestreben ist es, die Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen auf sich zu ziehen. Vor allem auf Männer übt Sie eine große Anziehungskraft aus – zunächst. Es geht Ihr nicht um Zuneigung und Liebe, vielmehr ist es ein unersättlicher Drang nach Bewunderung. Es ist wie eine Droge für sie. Bestätigung durch andere Menschen ist wie ein Lebenselexier für Sie, doch wehe, wenn jemand ihrem Charme nicht erliegt, oder sogar eine kritische Äußerung macht, dann ist sie am Boden zerstört. Ihr Selbstwertgefühl ist äußerst labil.
Warum ist das so?

1. Werteerleben
Aus Sicht der Logotherapie basiert eine gesunde Persönlichkeit auf drei Wertesäulen. Die Dimensionen der Erlebniswerte, der schöpferischen Werte und Einstellungswerte. Bei hysterischen Personen ist das Werteempfinden sehr stark eingeschränkt, es bezieht sich hauptsächlich auf Erlebniswerte und auch hier sehr einseitig auf die Aufmerksamkeit, die ihnen Ihre Mitmenschen entgegen bringen. Alles dreht sich um die Gedanken: „Wie wirke ich? Was denken andere über
mich? Daraus entsteht eine absolute Abhängigkeit von der Meinung anderer. Andere Erlebnisdimensionen wie Freude an der Natur, oder das Erleben eines Kunstwerks sind ihnen verschlossen. Geschieht dies doch, dann in überzogener und dramatischer Weise, und nicht aus echtem Genuss, sondern rein mit der Absicht sich ins Zentrum des Geschehens zu bringen. Dieses Verhalten wird von anderen als unecht und oberflächlich empfunden. Aus Sicht des Hysterikers
allerdings ist es verständlich. Da er nur aus dieser eingeschränkten Wertquelle schöpfen kann, versucht er aus dieser Quelle das Maximum herauszuholen. Um dies zu erreichen, feilt Berta an ihrer Fassade, um eine möglichst glanzvolle Show darzubieten. Im Moment ist Berta jung und attraktiv, sie weiß ihre Reize einzusetzen und „glänzt“ in überzogener Weise. Vor allem auf Männer übt Sie eine große Anziehungskraft aus, welche sie sehr genießt. Eine echte und dauerhafte Beziehung gelingt Ihr allerdings nicht, da Ihr unechtes Taktieren schon bald durchschaut wird. Mit echter Liebe und Zuneigung kann Berta gar nicht umgehen. Der Drang nach Bewunderung ist wie eine Sucht. Um Ihr Selbstwertgefühl einigermaßen stabil zu halten braucht sie täglich mehrere
Bewunderer, die sie mit Schmeicheleien umgarnen. Ein verzweifelter Prozess ist im Gange. Durch dieses Spiel macht sie sich immer mehr abhängig von anderen Menschen und verliert ihre eigene Identität.

Kleinste Kränkungen verursachen großen Schmerz. Hinter dieser Sehnsucht nach Aufmerksamkeit steht im Grunde die Angst vor Isolation. So sehr der Hysteriker es genießt im Mittelpunkt zu stehen, so sehr fürchtet er, in niemands Gedanken eine Rolle zu spielen.

2. Identität

Erst im Spiegel seiner Mitmenschen empfindet er sich als angenommen. Aus diesem Grund hat er auch keine gefestigte Identität, sondern wandelt seine Rolle je nach Bedarf, mit dem Ziel ein möglichst hohes Maß an Aufmerksamkeit zu ergattern.

Nun wird deutlich, warum eine Zurückweisung eine geradezu existentielle Bedrohung für eine hysterische Person bedeutet. Die Identitätsproblematik ist von zentraler Bedeutung. Ein gesunder Mensch gewinnt seine Identität in der Auseinandersetzung mit der Welt, durch Übernahme von Aufgaben und Verantwortung. Der Hysteriker wendet sich keiner Aufgabe, um der Aufgabe willen zu, keinem Menschen um seiner selbst willen. Jede Aktivitäten zielt auf Aufmerksamkeit ab.

Die Folge ist, dass er keine eigene Identität entwickelt und und immer auf die Meinung anderer angewiesen bleibt. So ist Berta stets bemüht nach der aktuellsten Mode gekleidet zu sein, die teuersten Markenkleider sind wichtig, um herausragende Bewunderung zu ernten.

3. Gefühlsleben
Wie steht es um das Gefühlsleben von Berta? Nach außen hin wirkt sie geradezu hyperemotional. Ihre Ausdrucksweise ist schrill bis dramatisch; überschwängliche Attribute wie bombastisch, wahnsinnig, phänomenal, gigantisch etc. werden für alltägliche Vorkommnisse verwendet, um sich Gehör zu verschaffen. Berta ist eine hervorragende Schauspielerin, je nach Stimmungslage schlüpft
sie glaubhaft in die unterschiedlichsten Rollen. Mit einer Rolle identifiziert sie sich sehr schnell.

Das geht sogar soweit, dass vorgetäuschte Krankheitssymptome tatsächlich körperlich empfunden werden. Generell gilt für Hysteriker, dass sie eine hohe Neigung haben, Konversionssymptome auszubilden. Der Hysteriker betrügt nicht nur seine Umwelt, sondern auch sich selbst. Insgeheim spürt sie eine innere Gefühlsarmut und versucht diese durch überschwängliches Gehabe zu verdecken.

Hier tritt eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang, durch das ständige Schauspiel
schrumpft die Empfindung für echte Gefühle immer mehr. In Anlehnung an den bekannten Satz von Viktor Frankl: „Je mehr es einem um die Lust geht, umso mehr vergeht sie einem auch“; kann man sagen: Je mehr es einem Menschen um den überzogen Ausdruck von Gefühlen geht, desto weniger empfindet er dabei.

Die vorgetäuschte Hyperemotionalität entspricht einer tiefen inneren Emotionslosigkeit. In Ihrem inneren spürt Berta eine unendliche Leere, und eben diese versucht sie durch immer neue äußere Reize zu entkommen. Waghalsige Abenteuer, gefährliche Sportarten, wilde Diskonächte mit heißen
Flirts sind ihre Mittel, diese Lücke zu füllen. Doch kann das auf Dauer gut gehen?

4. Frustrationstoleranz

Die Frustrationstoleranz des Hysterikers ist sehr gering, sie ist Ausdruck seiner geringen Reife und seiner mangelnden Identität. Sein Hauptstreben ist es sofortige Aufmerksamkeit und Bestätigung durch andere Menschen zu erhalten. Bekommt er diese nicht reagiert er mit Schuldzuweisungen. Er schiebt die Verantwortung über seine Unzufriedenheit seinen Mitmenschen zu. Die anderen sind Schuld: „Wie kann es mir gut gehen, wenn ich nicht beachtet werde.“ Der Hysteriker schafft es sich das glaubhaft zu versichern und hindert sich dadurch selbst an einer Veränderung der Situation.

Kritik gegenüber reagiert der Hysteriker überaus empfindlich, die Ursache liegt in der geringen Frustrationstoleranz und dem labilen Selbstwertgefühl. Kritik wird als persönliche Verletzung empfunden, sie wird seelisch, wie auch körperlich wahrgenommen.

5. Persönliche Reife

Menschen mit hohen hysterischen Anteilen stehen im Mittelpunkt ihrer egozentrischen Weltsicht. Sie sind nicht in der Lage sich in andere Menschen einzufühlen und die Welt aus dem Augen anderer zu sehen. Für ein 6-8- jähriges Kind ist diese Betrachtungsweise völlig normal. In diesem Alter bezieht der jungen Mensch alle Erlebnisse, Informationen und Geschehnisse auch sich selbst. Diese Phase muss überwunden werden. Bei einer normalen Entwicklung sollte dieser junge Mensch mit circa acht Jahren die Fähigkeit entwickelt haben, neben seinen eigenen Bedürfnissen und Befindlichkeiten, auch die seiner Mitmenschen zu sehen und angemessen darauf zu reagieren. Erst dann ist eine Selbstdistanzierung möglich. Man kann die Hysterie demnach als eine Reifeblockade bezeichnen.

6. Mögliche Ursache

Das persönliche Werteerleben eines Menschen ist sehr strake geprägt durch die gemachten Erfahrungen. Besonders das frühkindliche Erleben hat einen großen Einfluss auf die Entwicklung unserer Persönlichkeit. Traumatische Erfahrungen hinterlassen tiefe Spuren in unserer Psyche.

Weitere Informationen siehe Artikel Trauma und innere Spaltung

Was ist aus therapeutischer Sicht beim Umgang mit Hysterikern zu beachten?

Sehr hilfreich kann eine Traumatherapie sein. Das Erkennen der Ursache, wo die Ausbildung der eigenen Identität blockiert wurde, kann ein wichtiger Schritt zu einem autonomen Leben sein. Hier gibt es verschiedene Methoden. Dieses Thema ist sehr umfangreich, hierzu werde ich in kürze einen eigenen Artikel schreiben. Meine Erfahrung ist, dass es immer eine ganz konkrete Erfahrung, bzw. eine anhaltend destruktive Familieatmosphäre gibt, die genau zu den beschriebenen Symptomen führt. Das „Problem“ ist im System zu finden, und viel größer, als dass es die jeweilige Person für sich alleine lösen kann. Es wirken Kräfte aus den ganzen Familiensystem mit, und erst wenn diese Verstrickungen aufgedeckt werden, ist eine nachhaltige Veränderung möglich.

Ziel der Therapie eines Hysterikers ist eine „Nach-Reifung“. Aus den beschriebenen Mängeln des Hysterikers, ergeben sich zahlreiche Interventionsmöglichkeiten. Bei der Durchführung der Therapie geht es nicht um die Darstellung der Mangelbereiche, vielmehr ist es das Bestreben, an vorhandene Fähigkeiten und Fertigkeiten anzuknüpfen, diese zu stärken, beziehungsweise zu wecken.

Die Therapie ist ein Nachholen des versäumten Reifeprozesses.
Da menschliche Reifung langsam vor sich geht, braucht eine gelingende Therapie seine Zeit. Es geht um den Gewinn einer stabilen Identität, um das Nachreifen der Persönlichkeit und um die Fähigkeit verantwortlich und zuversichtlich durchs Leben gehen zu können.
Hysteriker sind bekanntlich leicht beeinflussbar und begeisterungsfähig. Gelingt es dem Therapeuten, das Interesse des Patienten an einem „besseren“ Leben zu wecken, an einem Leben, auf dass er stolz sein kann, ist ein guter Anfang gemacht.
Es kann auch hilfreich sein, die anbahnende Katastrophe offenzulegen, nicht als Vorwurf, sondern als echte Sorge um den Patienten. Quasi als Warnung, damit eine Wandlungsbereitschaft erreicht wird: „ Du wirst kein gutes Leben haben, irgendwann bist Du nicht mehr jung und attraktiv, es wird Dir nicht mehr spielerisch gelingen im Mittelpunkt zu stehen, was dann? Wie wirst Du dann die Aufmerksamkeit auf Dich ziehen, die Du so dringend brauchst? Ich mag Dich, doch ich mag nicht Deine Hysterie!“

Therapeutische Sitzungen sollten nicht zu häufig aufeinanderfolgen, da gerade bei diesen Patienten die Gefahr einer „Therapiesucht“ besteht.

Die Logotherapeutische Behandlung konzentriert sich auf die schon vorhandenen Fähigkeiten, um so die Lücke der vorher beschrieben Mangelbereiche zu füllen. Daraus ergeben sich im einzelnen folgende Möglichkeiten:

Spurensuche der Talente
Mit dem Ziel eine gesunde Identität aufzubauen, müssen neue Wertdimensionen erschlossen werden. In jedem Menschen schlummert ein schöpferisches Potential, welches es zu entdecken gibt. Gemeinsam mit dem Patienten wird nach Möglichkeiten gesucht wie dieses Potential verwirklicht werden kann. Berta soll bestärkt werden, sich Ziele zu setzen und diese dann auch konsequent umzusetzen. Die Erfahrung echter Kompetenz auf der Sachebene stärkt das Selbstwertgefühle.

Schrittweise wird durch positive Erfolgserlebnisse das übermäßige Interesse an der Personenebene reduziert, und das einseitige Werteerleben auf ein gesundes Fundament gestellt.
Gelingt es Berta, ihre Egozentrik zu überwinden und schöpferische Werte zu verwirklichen, dann wird sie sich ihrer eigenen Kompetenzen bewusst werden und eigenständige Zielsetzungen verfolgen können. In Ihr steckt ein riesiges Potential an Möglichkeiten, mit ein bisschen Unterstützung wird es ihr gelingen, einmal stolz auf ihr reiches Leben zurückblicken zu können.
Wie sieht der Umgang mit Angehörigen von Hysterikern aus
Wie wir gesehen haben, ist es für Personen die hysterischen Persönlichkeiten nahe stehen schwer, der Sucht nach Anerkennung gerecht zu werden. Ein dramatischer Auftritt kann für Außenstehende ja sehr unterhaltsam sein, doch für nahestehende Angehörige, die dies regelmäßig ertragen müssen, ist es eine große Belastung.

Der Hysteriker kennt nur ein Gedanke: ICH. Den ganzen Tag dreht sich
alles um seine Person, bzw. sollte sich alles um Ihn drehen.

Ein Hysteriker ist bezüglich seiner Reife auf dem kindlichen Niveau eines Sechsjährigen stehen geblieben, besitzt allerdings die Waffen eines Erwachsenen.
Oft zeigen Hysteriker gar keine Bereitschaft ihr Verhalten zu verändern, da ihnen die Störung größeren Nutzen zu versprechen scheint, oder sie sind tatsächlich zu alt, als dass es ihnen gelingen könnte sich grundlegend zu ändern.
Irgendwann wird die Last für viele Angehörige zu groß, die einen brechen den Kontakt zu „ihrem Hysteriker“ ab, andere suchen professioneller Hilfe.

Was kann man diesen Menschen raten?
Die Liebe zu einem Hysteriker braucht ein schmunzelndes Gesicht und eine feste Hand. Was bedeutet das?
Wie bereits beschrieben basiert das Werteerleben eines Hysteriker auf einer sehr schmalen Säule im Bereich der Erlebniswerte. Seine einzige Wertquelle ist es, die Aufmerksamkeit anderer Menschen zu gewinnen. Um dies zu erreichen, greift er auf einen großen Fundus an schauspielerischem Talent und suggestiver Kraft zurück. Wichtig für Angehörige ist es, diese Zusammenhänge zu erkennen.
Wenn deutlich gemacht wird, warum Hysteriker so reagieren kann ein  Verständnis für dieses Schauspiel geweckt werden, gleichzeitig wird der Hysteriker als Schauspieler entlarvt. Angehörige können lehren, wie sie angemessen auf dieses Schauspiel zu reagieren können, sie dürfen auf keinen Fall mitspielen. Je mehr man im Sinne des Hysterikers reagiert, je mehr man sich von Ihm unter Druck setzen lässt, oder ein schlechtes Gewissen einreden lässt, desto mehr fühlt sich der Hysteriker bestätigt und umso weniger ist er bereit, die Mühe einer Veränderung auf sich zu nehmen.
Als Angehöriger ist es wichtig klar zu signalisieren, dass man nicht länger bereit ist, dieses Spiel mitzuspielen.

Es gibt Regeln, die sich im Umgang mit hysterischen Persönlichkeiten  bewährt haben:

  1. Man sollte nicht zulassen, dass der Hysteriker die Stimmung bestimmt. Ein
    Familienfest ist geplant und es besteht Gefahr, dass der Hysteriker mit seiner
    Leidensdarstellung die ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird. Mit anderen Familienmitgliedern soll besprochen werden, dass das nicht geschehen darf. Das klare Signal an den Hysteriker: → Wir lassen uns das nicht gefallen. Du grenzt Dich mit Deinem Verhalten selbst aus. Das Fest kann auch ohne Dich stattfinden.
  2. Unangenehme Seiten des Hysterikers deutlich ansprechen. Sagen Sie ihm deutlich was genau sie stört. Und zeigen Sie ihm auf, wie er es besser machen kann. → Es ist sehr unangenehm für mich, mir immer Deine  Leidensgeschichte anzuhören. Ich würde gerne auch über interessante Dinge mit Dir sprechen können.
  3.  Bleiben Sie cool, wenn er sie durch seine Worte und Aktionen zu provozieren versucht. Er weiß genau wo ihr wunder Punkt ist, und wo er diesen treffen kann. Nehmen sie es nicht so erst, mit etwas Humor und Übung schaffen Sie es. Botschaft an den Hysteriker: → Du schaffst es nicht mich aus der Ruhe zu bringen.
  4. Behalten Sie die Oberhoheit, wie bei einem kleine Kind bestimmen Sie gegebenfalls auch allein was gemacht wird. → Deine Vorstellung fällt heute leider aus!
  5. Anerkennen Sie normales Verhalten. Für einen Hysteriker ist es eine große Leistung, gelegentlich einmal „normal“ zu sein. „Es war heute wirklich interessant mit Dir zu sprechen“
  6.  Autorität zeigen und Humor bewahren. Durch eine humorvolle Sichtweise erreicht man eine gewisse Distanz zum Geschehen. → Am besten wir schicken heute Deine Krankheiten in den Urlaub, dann können wir uns in Ruhe um den Garten kümmern.
  7. Unbedingt die Würde waren. Selbst wenn man noch so wütend ist, sollte man den Hysteriker nicht persönlich beleidigen. Er möchte nicht schlecht sein, er mag nur „arm“ wirken, um Liebe zu erhalten. Ein entwürdigender Streit löst nur mehr Dramen und Hass aus. → Du hast es nicht nötig, die Abneigung anderer so zu provozieren.
  8. Keine langen Diskussionen. Eine klare Aussage was geplant ist.-> „Wenn ich in den Urlaub fahre und Du mit keiner Pflegeperson einverstanden bist, dann schaffst Du es sicher alleine klar zu können.“
  9. Räumliche und zeitliche Distanz schaffen. Der Hysteriker bekommt nie genügend Aufmerksamkeit und Zuwendung , egal wie viel er bekommt. Wenn irgend möglich sollten „hysteriefreie“ Räume, Tage, oder zumindest Stunden geschaffen werden. Wichtig ist es, eine verträgliche Distanz zu suchen.
  10. Seelische Distanz finden. Es ist ratsam sich einen Zeitrahmen zu definieren, wie viel Zeit man mit dem hysterischen Angehörigen verbringen will. Nach dieser Zeit widmen man sich anderen Tätigkeiten zu. Um die Distanz zu erreichen, können Rituale hilfreich sein. Den Telefonhörer bewusst auflegen, die Türe bewusst schließen und so alle Vorwürfe und Ängste hinter sich lassen. Nach dieser Handlung kann man ohne schlechtes Gewissen „hysteriefrei“
    bleiben.
  11. Ein Mensch im Beziehungsgefüge. Der Hysteriker ist auch nur ein Mensch, zeichnen Sie auf einer Achse alle Menschen ein, die in Ihrem Leben eine Rolle spielen. Zeichnen Sie nun eine gleich lange Linie eine gleich lange Linie und markieren Sie wie viel Zeit, Gedanken und Aufmerksamkeit Sie Ihrem Hysteriker zukommen lassen und wie viel dann noch für den Rest Ihrer Angehörigen übrig bleibt. Überlegen Sie, ob sie das wollen. Wir könnte eine bessere Verteilung aussehen?
  12. Schuldzuweisungen nicht annehmen. Dem Hysteriker geht es schlecht, weil er eine zu hohe Erwartungshaltung hat und weil er auf Sofortbefriedigung nicht verzichten will. Klare Haltung: → Du allein trägst die Verantwortung für Deine Unzufriedenheit.
  13. Nicht mitspielen. Nur durch massiven Leidensdruck motivieren sich Menschen für eine Therapie. Je mehr man im Sinne des Hysterikers reagiert, desto weniger ist er bereit, etwas an seinem Verhalten zu ändern.
  14. Neue Wertdimensionen eröffnen helfen. Die Angehörigen sind nicht Therapeuten des Hysterikers, doch gibt es im Alltag zahlreiche Möglichkeiten das Interesse des Hysterikers für andere Wertdimensionen zu wecken. Z.B. eine gemeinsame Reise, ein Konzertbesuch, etc. Die Angehörigen wissen sehr gut, was ihren Hysteriker interessieren kann. So kann es gelingen zumindest für eine kurze Zeit Distanz von den eigenen Egozentrik zu finden.

Persönlich anmerken möchte ich, dass ein Welt ohne Hysteriker, oder besser gesagt ohne Menschen mit hysterischen Anteilen, doch sehr grau wäre. Sicher ist ein echter Hysteriker eine schwere Belastung für seine Mitmenschen, doch gerne erinnere ich mich an aufbrausende Darbietungen, der einen oder anderen Berta in unserem Bekanntenkreis. Dank ihres schauspielerischen Talents und
ihrem Hang zu dramatischen Szenen, wurden öde beginnende Feste und Zusammentreffen, schlagartig zu einer kinoreifen Filmvorstellung. Wenn man nicht direkt betroffen ist, durchaus sehr amüsant.
Gelingt es den Angehörigen, ausreichend seelische Distanz zu ihrem Hysteriker zu gewinnen und den nötigen Humor aufzubringen, dann schaffen sie es bestimmt, gelegentlich über diese schauspielerischen Glanzleistungen zu lachen. Hierzu kann ich mir die Methode der paradoxen Intension gut vorstellen. Das könnte so klingen: Ich bin wirklich schon sehr gespannt, was für ein Bühnenstück mich jetzt erwartet. Um mich heute zu beeindrucken brauche ich mindestens einen Herzinfarkt!“
Wenn der Hysteriker spürt, dass selbst drastische Auftritte keine Beachtung mehr finden, dann wird er am ehesten bereit sein, sich zu ändern und das große Potential, dass in ihm steckt zur Entfaltung zu bringen.

Weiterführendes Thema: Narzissmus

Sehr nah verwandt zur Hysterie ist der Narzissmus. Der ICD 10 fasst beide Formen unter Persönlichkeitsstörungen Cluster-B-zusammen (Borderline und antisoziale Persönlichkeit gehören ebenfalls zu dieser Gattung) . Gemeinsame Merkmale sind Launenhaftigkeit, Impulsivität, starke Wut und Unfähigkeit, diese zu kontrollieren. Das Verhalten in Beziehungen ist tendenziell geprägt von Idealisierung und Entwertung sowie Schwierigkeiten im Umgang mit Nähe und Distanz. Selbstschädigende und suizidale Verhaltensweisen sind typisch, manchmal auch Fremdaggressivität. Gemeinsam liegt allen Persönlichkeitsstörungen dieses Clusters ein geringes Selbstwertgefühl zugrunde, so dass bei Kritik Gefühle wie Wut, Scham oder Demütigung aufkommen.

Welchen Einfluss Eltern mit diesen Persönlichkeitsmerkmalen auf die Entwicklung Ihrer Kinder haben, wird in folgendem Artikel beschrieben:

Einfluss narzisstischer Eltern 

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25 Gedanken zu “Was sind hysterische Menschen und wie ist mit Ihnen umzugehen?

  1. Habe seit 1.5 Monaten eine neue Beziehung und dank ihrem Artikel wurden gerade viele Frage gelöst. Konnte ihr Verhalten nicht einordnen, da ich eine solche Persönlichkeit vorher nicht bewusst gekannt habe. Da ich mich verliebt habe, will ich nicht gleich davon laufen, allerdings kommt dann wohl auch einiges auf mich zu. Danke für denn hilfreichen Text

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    • Alles Gute für Ihre neue Liebe. Bleiben Sie sich selber treu, dann kann es gut werden!

      Das schwierigste aus meiner Sicht in solch einer Beziehung ist es, seine eigene Wahrheit zu leben und nicht des „lieben Friedens willen“ sich selbst hinten anzustellen. Dadurch entsteht erst recht eine Schieflage, unter der dann beide Partner leiden. Klare Grenzen sind hier mehr als in jeder anderen Beziehung nötig.

      Falls Sie mehr zum Thema erfahren möchten, kann ich Ihnen folgende Bücher empfehlen:

      Byron Katie, Michael Katz, Gisela Kretzschmar – Ich brauche deine Liebe – stimmt das? Liebe … Liebe finden, ohne danach zu suchen

      Bärbel Wardetzki – Weiblicher Narzißmus: Der Hunger nach Anerkennung

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      • Ja tut mir wirklich Leid Frau Elena Pfarr aber warum sollte ein gesunder Mensch sich das antun? Narzissmus geht gar nicht und ich zumindest sehe mich nicht in der Bedürfniserfüllung irgendwelcher psychotischer Mitmenschen. So eine Scheiße hat auch mit Liebe rein gar nichts zu tun. Ihr Kommentar ist Gift, denn Narzissten vergiften die Seele und der Mann da oben hat wohl keine Ahnung auf was er sich einlässt, ich habe diese Erfahrung jedoch und kann behaupten dass diese Menschen nicht mal aufhören wenn man komplett ausgelaugt ist. Die wenden psychische Gewalt an und lassen sich auch fast nur mit Gewalt aus dem Leben wieder absorbieren.

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    • Schmeiß die Alte raus, glaub mir. Verliebtheit sind Hormone aber diese Sorte Mensch raubt dir die Seele. Das wird nicht besser, eher schlimmer. Weg damit. Schenk ihr einen Vibrator zum Abschied und genieße die Show.

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      • Geiler Kommentar! Diese Sorte Mensch raubt einem wirklich die Seele, die machen einen kirre mit ihren 2 deutigen Anspielungen, mit ihren Signalen, die man nicht zu deuten weiß, weil sie so widersprüchlich und unlogisch sind. Hatte so einen an der Angel, der mich monatelang angebaggert und angeflirtet hat, mir viele schlaflose Nächte bereitete, mir den Kopf total verdrehte und die Sinne benebelte, dass ich fast nicht mehr fähig war, zu arbeiten. Gott sei Dank hat mich mein gesunder Menschenverstand auf Abstand zu ihm gehalten und ich konnte noch im letzten Moment den Absprung schaffen, habe mich total distanziert mit absolutem Kontaktabbruch. Jetzt kann er eine andere mit seinem Schauspiel und seinen Verführungstaktiken benebeln und lähmen.

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  2. Wie soll ich mit Hysterische Menschen umgehen??
    Ich bitte um einen Rat!

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    • Hallo Julia,

      am Ende des Artikels findest DU zahlreiche Möglichkeiten für einen konstruktiven Umgang.

      Ganz wichtig ist, dass Du das Verhalten nicht persönlich nimmst. Hysterische Menschen fühlen sich schnell zu kurz gekommen und reagieren leicht gekränkt. Ihr Stress hat allerdings wenig mit Deinem Verhalten zu tun, vielmehr ist es ihr Unvermögen sich selbst zu regulieren. Wichtig ist, dass Du bei Dir selber bleibst und Dich abgrenzt, mit der inneren Haltung: „Dein Ärger gehört Dir!“

      Für Dich kannst Du schauen, warum das Verhalten Dich ebenfalls persönlich trifft, und Dir eine Abgrenzung so schwer möglich ist, auch hier gilt: „Mein Ärger gehört mir!“

      Viel Erfolg bei der Abgrenzung und gute Nerven!

      Liebe Grüße
      Elena

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      • Es gibt einen guten Spruch. Wer sich mit Deppen einlässt ist am Ende selbst der Depp. Ich habe 7 Jahre mit einer „Histrionischen Persönlichkeit“ zusammengelebt, früher sagte man einfach Zicke oder dumme Gans und ich rate jedem davon ab mit solchen infantilen Kreaturen sich auseinanderzusetzen. Die sollen zu Ärzten gehen, schließlich bekommen die dafür Geld. Ein Narzisst kann nicht lieben und eine Zicke ist ein infantiler Giftzwerg der mit dem Verfall seiner Schönheit auch seine Orbiter zerfallen sieht.

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  3. Sehr guter Artikel, vielleicht haben Sie ja noch Tips, wie man als Kollege am Arbeitsplatz mit so einem Menschen umgehen sollte. Es müssen in unserer Branche komplexe Sachverhalte strukturiert und verständlich kommuniziert werden, also genau das, was Hysteriker gerade nicht im Sinn zu haben scheinen. Ein bloßer Diskussionsbeitrag oder auch nur eine Rückfrage wird als persönliche Kriegserklärung aufgefasst, die sofort mit rhetorischer Waffengewalt beantwortet wird. Ich habe inzwischen frustriert die mündliche Kommunikation zu meiner Hysterikerin im Büro vollständig eingestellt und erlaube nur noch Schriftverkehr zwischen uns. Ich weiß nicht, ob ich das so richtig mache, und wie lange das so noch gut geht, weiß mir aber auch nicht anders zu helfen. Danke!

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    • Hallo Silvio,

      es ist nicht einfach mit einem Menschen zusammen zu arbeiten der sehr leicht gekränkt ist. Doch zum Krieg gehören immer zwei!

      Beobachten Sie Ihr Verhalten und schauen Sie ehrlich hin. Wenn wir eine Frage stellen und die Antwort in Form einer Attacke zurückschießt, dann sind wir in der Regel selbst gekränkt und reagieren in Zukunft auf diesen Menschen unsererseits mit einer abwehrenden oder feindseligen Haltung. So entsteht ein Teufelskreis der zu einem sehr bitteren Klima führt. Wenn jemand sehr leicht kränkbar ist, verbirgt sich dahinter eine sehr verletzte Seele, die im Grunde nach Liebe und Aufmerksamkeit schreit. Zugegeben, das gezeigte Verhaltensmuster löst genau eine gegenteilige Reaktion aus. Doch genau das ist das Dilemma.

      Auf eine ausschließlich schriftliche Kommunikation zu bestehen, ist im Grunde ebenfalls eine Kriegserklärung. Wenn es der Sache dienst OK. Ein friedlicher Umgang wird dann möglich, wenn einer inne hält und hinschaut, warum er sich durch den anderen so persönlich getroffen fühlt. Warum es mich persönlich trifft, hat immer mit mir selbst zu tun, niemals mit dem Verhalten unseres Gegenübers. Schauen Sie hin, es gibt in Ihrem Büro bestimmt irgendjemand, der mit dieses Frau zurecht kommt. Was macht diese/r Kollege/in anders? Fragen Sie sich was genau Sie an dem Verhalten so stört und überprüfen Sie warum es Ihnen nicht gelingt, souverän und sachlich mit dieser Kollegin zu sprechen. Suchen Sie den Schlüssel, um den Konflikt zu beheben bei sich selber, bei Ihrer eigenen Kränkung. Wenn Sie Ihren inneren Frieden wieder gefunden haben, und diese Freu mit einer friedfertigen Haltung begegnen, wird ein freundlicher Umgang möglich, was auch bedeutet, dass Sie klare Grenzen zu setzen, damit ein konstruktives Arbeitsbündnis möglich ist.

      Viel Erfolg bei der Umsetzung!

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      • Auch da muss ich widersprechen! Es hat eben nicht immer mit einem selbst zu tun, eher ist man selbst in die Schussbahn solcher psychotischen Idioten geraten. Aber was stimmt ist, dass zu einem Krieg zwei gehören nur muss ich da nicht hingehen. Soll der Psycho eben mit sich selbst Krieg führen. Ich glaube einfach das Einige eben solange Mitgefühl übrig haben bis dann eben endgültig der Geduldsfaden reißt und dann gehen solche Geschichten meist sehr hässlich aus.

        Ich kann nur für mich sprechen aber sobald ich so eine Zecke entlarve wird er oder sie absorbiert und mit ignoriert. Dafür würde ich auch den Arbeitsplatz wechseln. Ich bedauere heute noch den Tag wo ich trotz der Warnung eines erfahrenen Herren „ob ich mir das antun will?“ mit einer Zicke zusammen einen Mietvertrag unterschrieben habe und gleichzeitig auch noch einen cholerischen Chef hatte. So stand ich unter Dauerbeschuss von diesen lebensunfähigen Idioten.

        Vielleicht ist meine Toleranz einfach auf Null was solche Pissnelken betrifft.

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  4. Hallo Markus,
    vielen Dank für Deinen beherzten Widerspruch! Ja, warum sollte man sich das antut? Da stimme ich Dir im Grunde vollkommen zu. Das Problem das ich dabei sehe ist, dass wir diese Menschen manchmal magisch anziehen und wir erst im nachhinein feststellen, wieder auf die „Falsche“, den „Falschen“ hereingefallen zu sein.
    Haben wir dies erkannt, ist es trotz Erkenntnis gar nicht so einfach mit einer Trennung. Ob wir es wollen oder nicht, wir kommen nicht los. Warum? Hinter dem hysterischen Anfall sehen wir den Schmerz unseres Gegenübers, hinter dem Drama gibt es ganz viel Verletzlichkeit. Diese Wahrnehmung setzt unser Helferprogramm in Gang: „Wenn wir das nächste Mal zuvorkommender sind, wird alles gut, wenn…. dann…“. Aus meiner Erfahrung ist es ein langer Weg zu erkennen, dass wir nicht verantwortlich sind für die unangemessenen Reaktionen unseres Gegenübers, wir sind nicht Schuld, und wir können auch gar nichts tun, um den nächsten Anfall zu verhindern.

    In der Beziehung wird sich erst dann etwas verändern – wenn überhaupt, wenn wir unsere Bemühungen einstellen. Schlussendlich werden wir mit uns selbst konfrontiert, mit eigenen schmerzlichen Erfahrungen. Vielleicht hatten wir eine hysterische Mutter, deren Attacken wir hilflos ausgeliefert waren. Als Kind haben wir alles versucht, um die Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen, die wir uns so sehr gewünscht haben, leider vergeblich.
    Es gibt viele verschiedene mögliche Ursachen, warum es uns schwer fallen kann uns abzugrenzen und inneren Grenzen zu setzen. Fakt ist, wenn wir es nicht können, ziehen wir so lange Menschen in unser Leben, die diese Grenzen niedertrampeln, bis wir es endlich gelernt haben unsere Grenzen zu halten. Warum das so funktioniert, ist mir ein Rätsel, doch das ist meine Erfahrung. Vielleicht ist dieser Mechanismus der Motor, der unser persönliches Wachstum antreibt.

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  5. Hallo wie soll man damit umgehen wenn in der Familie der Lebensgefärtin Psychopatische Personen sind die gegen einen intregieren?
    Die Schwester meiner Lebensgefärtin ist soeine schwerst gestörte Person, die sich ständig als das Opfer dastellt und Geschichten und Lügen über andere erfindet um sie schlecht zu machen. Ihre Mutter scheint auch nicht gesund zu sein, da sie sich mit aller Macht an ihre beiden Töchter klammert und in einer Welt lebt in der Männer das Feindbild sind und sie Sprüche sagt wie: Wir 3 sind eine Familie , Blut ist dicker als Wasser, wir bleiben immer zusammen etc. Täglich ruft die frau mehrmals kontrollierend bei uns an fragt aus und versucht manipulativ einzuwirken. Das ganze führte soweit das meine Freundin und ich uns beinahe getrennt hätten, wenn die Liebe zueinander nicht stärker gewesen wäre und es somit zu einem kleinen Bruch zu ihrer Familie kam.
    Und dennoch spüre ich auch bei meienr Freundin ab und zu seltsame Störungen ans Tageslicht treten die mir zu denken geben.
    ZB ist sie aus heiterem Himmel wütend und lässt ihren Frust/Zorn an mir als Feindbild aus. Das wiederholt sich meist so einmal im Monat mindestens, gestern hat sie sogar angekündigt es sei Vollmond und wir müssen aufpassen das wir uns nicht streiten..
    Ich weiß das sie in ihrer Kindheit schwer von ihrer Psychopatischen Schwester misshandelt wurde Körperlihc und seelisch und das sie für ihre Mutter immer die Seelsorge spielen musste, da die Mutter sich noch wie ein kleines Kind verhällt teilweise. Daher versuche ich solche Wutanfälle zu aktzeptieren.
    Leider werde ich auch oft wütend da ich mri das gezicke nicht gefallen lassen möchte was dann wiederum den anderen in die Hände spielt sie in mir dann wieder den Bösen sieht etc. und dann die Mutter wieder anfängt zu manipulieren: Komm doch zu mir etc.. und die Schwester mit einer Verläumdungskampagne anfängt.

    Nun die Frage wie geht man mit soeiner Situation um, da wir mittlerweile 2 Kinder zusammen haben und mir meine Freundin eigentlich auch sehr lieb und teuer ist möchte ch gerne das unsere Situation verbessert wird. Wenn es zb zu solchen Psychotischen Anfällen kommt in denen sie grundlos wütend wird, soll ich dann besser ruhig sein und nichts dagegen sagen oder raus gehen spazieren etc. oder was ist das beste? Vielen Dank

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    • Hallo Chris,

      Du hast die Situation gut analysiert. Es gibt sicher plausible Gründe, warum das Familiensystem deiner Freundin so dysfunktional ist. Wir alle sind Teil des Systems unserer Herkunftsfamilie und die Strukturen und Verstrickungen die wir dort erlebt haben, prägen unseren Umgang mit der Welt und vor allem unser Verhalten in nahen Beziehungen. Ohne dass wir uns diese Zusammenhänge bewusst gemacht und uns davon gelöst haben, bleiben wir auf eine Art immer damit verstrickt. Gerade in Stresssituation, brechen destruktive Verhaltensmuster durch, diese Kraft ist stärker als unsere bewusste Kontrolle. Ohne dass wir das wollen, belasten wir unsere Liebsten und unsere Kinder.

      Wenn Deine Freundin aus heiterem Himmel wütend wird, ist es aus meiner Sicht am sinnvollsten, wenn es Dir gelingt, da zu bleiben, ruhig zu bleiben und versuchen zu verstehen, was Sie so in Rage bringt. Durch Deine Offenheit, kann Sie vielleicht verstehen, was mit Ihr durchgeht.

      Das wäre der Idealfall, doch wie Du sagst, wirst Du selbst leicht wütend. Also wenn Du merkst, dass es bei Dir innerlich zu kochen beginnt, und Du Deine Emotionen nicht mehr im Griff hast, ist es besser Dich rauszunehmen, den Raum zu verlassen, eventuell die Wohnung. Wenn beide die Kontrolle verlieren, eskaliert der Streit und auf beiden Seiten entsteht viel Verletzung.

      Das Problem dabei kann sein, dass es Deine Freundin zusätzlich triggert, wenn Du Dich entziehst. Meine Erfahrung ist, dass Wut ein Schrei nach Aufmerksamkeit ist. Wenn Du also gehst, kann es sein, dass Sie sich über die Zeit alleine wieder beruhigt, es kann aber auch sein, dass Sie sich von Dir erst recht im Stich gelassen fühlst. Du kennst Sie besser und wirst wissen wie es ist.

      Von Deiner Seite aus kannst Du beobachten, welches Verhalten, welche Anschuldigung, oder was auch immer, Deine Wut provoziert. Offensichtlich hast Du großes Verständnis und bist sehr entgegenkommend, bis zu einem gewissen Punkt. Wo ist Deine Schmerzgrenze erreicht? Immer wenn Du da angelangst ist, kannst Du inne halten und schauen, ob Dir dieses Gefühl von irgendwo her bekannt vor kommt. In der Regel ist es nämlich so, dass der Ursprung unserer Triggerpunkte in den Erfahrungen liegt, die wir in unserer Ursprungsfamilie gemacht haben. Damals waren wir hilflos ausgeliefert und dieses Gefühl der Ohnmacht hat sich in uns eingebrannt. Wenn eine heutige Situation uns an diese Emotion erinnert (das passiert in der Regel unbewusst) sind wir nicht mehr in der Lage, vernünftig zu diskutieren, zu handeln, da versagt unsere kognitive Kontrollinstanz.

      In einem eskalierenden Beziehungsstreit diskutieren dann nicht mehr zwei vernünftige Erwachsene, sondern es kämpfen zwei verletzte Kinder miteinander. Für mich immer wieder erstaunlich, suchen wir uns Partner aus, mit dem wir unsere alten Muster wiederholen. Vermutlich ist das ein Versuch unserer Psyche, eine Lösung für einen unbearbeiteten inneren Konflikt zu finden, zu dem wir ohne die Provokation unseres Partners keinen Zugang hätten. Familienverstrickungen blockieren unsere Identitäsentwicklung. Eine innere Ablösung von Familienverstrickungen, gibt es unser Souveränität zurück.

      Ganz entscheidend ist, dass jeder die Verantwortung für seine Gefühle und sein Verhalten übernimmt. Nicht Du bist schuld, dass ich so wütend bin! Wenn ich wütend bin, ist es meine Verantwortung zu schauen, woher diese Wut kommt und wie ich sie unter Kontrolle bekomme. Erst wenn ich mich wieder gefangen habe, ist eine konstruktive Diskussion möglich. Wenn wir uns als souveräne „Erwachsene“ gegenüberstehen, finden wir für jeden Konflikt eine Lösung. Zwei keifende Kinder, können das nicht ;-)

      Ich hoffe, Dir mit meiner Antwort ein Stück weiter helfen zu können. Du wirst sehen, was für Eure Situation zutrifft. Falls die Konflikte trotz gegenseitiger Bemühungen nicht besser werden, empfehle ich Euch professionelle Untersützung zu suchen.

      Herzliche Grüße
      Elena Pfarr

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    • Dreieck Drama: Opfer – Täter – Retter.

      Ihre Lebensgefährtin steckt in einer dysfunktionalen – narzisstisch gestörten Familiendynamik. Dabei ist sie der Katalysator, also das „Schwarze Schaf“ oder „Sündenbock“. Das wechselt aber hind und her ist nicht relevant. Wichtig ist auf dieser Geschichte auszusteigen da es dafür keine Heilung gibt nur für die Einzelnen nach jahrelanger Abstinenz.

      Googlen sie über „Narzisstische Mutter“ und ihnen wird alles klarer werden. Eine Trennung von der Familie ist unausweichlich. Ihre Lebensgefährtin muss sich ablösen; sie hat mit ihnen schließlich eine eigene Familie gegründet. Im Grunde halten diese zwei Psychos nur an ihr fest weil sich sonst kaum Opfer finden lassen für solche Spielchen.

      Und ob die Mutter und Schwester psychotisch sind oder Kakteen furzen ist nicht von Bedeutung. Wichtig ist sie aus dem Umfeld herauszunehmen und mit -totalem- Kontaktabbruch gesunden zu lassen. Nach Monaten wird ihre Lebensgefährtin sowieso einen ganz neuen Blick auf das Leben bekommen und nochmals so richtig wütend werden und das ist nötig denn sie hat seit ihrer Geburt an ihr wahres -Ich- verstellen müssen. Die Schwester ist nicht grundlos psychopathisch und nicht weniger emotional misshandelt worden.

      Oft ist nach so einem Theater dann komplette Funkstille da klar wird dass das niemals Liebe war. Ob dann noch Kontakt mit der Herkunftsfamilie gehalten wird ist eine pragmatische Entscheidung aber sicher nicht mehr eine von Herzen.

      Kurz: Kontaktabbruch zur Schwester und Mutter, konsequent oder weiter leiden..

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  6. Es soll in keinster Weise der Eindruck vermittelt werden, dass man in heroischer Weise sich seinem Schicksal fügen und alle Gemeinheiten ertragen soll. Deshalb finde ich Ihre entschiedene Haltung, hysterischen Menschen konsequent aus dem Weg zu gehen im Grunde sehr pragmatisch. Das Problem liegt aus meiner Sicht viel tiefer in unserer eigenen Persönlichkeit verankert, denn warum gehen wir diesen Menschen überhaupt auf den Leim und vor allem immer wieder? Es gibt Menschen die erkennen die „Gefahr“ sofort und ziehen ihre Konsequenzen. Andere sind an dieser Stelle blind und taub.

    Wenn Menschen in solch einer destruktiven Beziehung stecken, ist sich ein Teil darüber sehr bewusst und weiß genau, dass das dargebotene Verhalten nicht tolerierbar ist, ein anderer Teil hat aber nicht die Kraft zu einer Trennung. Da gibt es innere Stimmen, die sagen: „Wenn ich mich nur mehr anstrenge, dann wird alles wieder gut werden“ Wenn ich perfekt bin, dann wird auch die Beziehung wieder…“ Ich bin schuld, ich mache etwas falsch…“

    Diese inneren Anteile sind so stark, dass wir nicht aus dieser Beziehung heraus kommen, und vor allem immer wieder in ähnlicher Form in vergleichbare Situationen geraten. Wenn nicht in einer Liebesbeziehung, dann vielleicht in Form eines Arbeitsverhältnisses.

    Wenn wir genau hinschauen, haben wir nie ein wirklich stabiles Selbst entwickelt. Das macht uns so anfällig für die anfänglichen Verführungstaktiken. Vermutlich haben wir ein Elternteil, häufig die Mutter für deren Liebe und Zuneigung wir unsere Autonomie und unsere persönlichen Grenzen geopfert haben. Als Kinder sind wir auf Beziehung programmiert, wir lieben bedingungslos und wünschen uns nichts sehnlichster als gesehen zu sein. Sehr früh merken wir, an welche Bedingungen dieser Kontakt geknüpft ist. Wir müssen brav sein, bedürfnislos, perfekt, etc. Wenn wir dies erfüllen, bekommen wir wenn es gut läuft die gewünschte Beachtung. Je nachdem wie unsere Eltern selber verstickt sind, sind unsere Bemühungen erfolgreich, unter Umständen aber auch nicht.

    Haben wir so ein Beziehungsmuster verinnerlicht, wundert es nicht, warum das Frühwarnsystem unseres Radars nicht anschlägt, wenn wir es mit Narzissten und Hysterikern zu tun bekommen. Am Anfang geben genau diese Menschen uns das Gefühl, endlich gesehen zu sein! Diese Sehnsucht ist riesig, und die Hoffnung so groß, dass genau dieser Wunsch erfüllt wird. Im Grunde ist es die Sehnsucht des kleinen Kindes, bedingungslos und vollständig von der Mama geliebt und angenommen zu sein. Um diese Liebe zu bekommen, sind wir bereit viel zu geben. Denn damals als wir ganz klein waren, hat uns unser dienstbares Verhalten unser Überleben gesichert. Als Kinder können wir nicht sehen, dass unsere Eltern ein Problem mit Ihrer Liebesfähigkeit haben, wir geben uns die Schuld. Wenn Mama und Papa mich so wie ich bin nicht haben wollen, haben ich etwas falsch gemacht. Wenn ich mich ganz doll anstrege, wenn ich alles richtig mache, etc. vielleicht wird dann alles gut….

    Diese Muster sitzen ganz tief unseren Zellen, und halten uns in Beziehungen und Arbeitsverhältnissen fest, obwohl wir wissen, dass sie uns nicht gut tun. Ein uns unbewusster Teil ist davon überzeugt, dass wenn wir diese Beziehung beenden, es der sichere Tod für uns bedeutet. Das klingt jetzt arg pathetisch, doch meine Erfahrung ist, dass alte Traumagefühle genau so überwältigend wirken, obwohl ein erwachsender Anteil sehr wohl weiß, dass das nicht zutrifft.

    Wenn wir also genau hinschauen, was unseren frühesten Bindungserfahrungen sind, bekommen wir einen Zugang zu der erlebten Realität damals als kleines Kind. Wenn wir zulassen zu sehen, welchen Preis wir bezahlt haben und unter Umständen die erhoffte Annahme nie bekommen haben, sind wir in der Lage für uns selbst Verantwortung zu übernehmen. Erst dann entwickelt sich eine stabile Identität. Mit einem klaren Geist und einem stabilen Selbst, ruhen wir in uns und sind davor gefeit, der Spielball egozentrischer Menschen zu sein.

    Anmerkung: Auch die Menschen, die uns so zusetzen – ob wir sie nun Psychopathen, Narzissten, Hysteriker, oder wie auch immer bezeichnen, sind im Grunde genau wie wir verletze kleine Kinder, auf der Suche nach Annahme und Liebe, auch wenn Ihr Verhalten zweifelsohne sehr destruktiv ist. Es geht mir nicht darum, deren Verhalten zu entschuldigen, doch Liebespartner spüren diese Not und sind genau aus diesem Grund zu so vielen Zugeständnissen bereit. Eine Veränderung ist nur möglich, wenn der vermeintlich unterlegene Partner lernt ganz klare Grenzen zu setzten. Dann lässt sich schnell feststellen, dass die grandiose und selbstsichere Fassade des anderen sehr schnell bröckelt. Hinter der vermeintlichen Stärke, sitzt ebenfalls ein ganz kleines Kind, dem nie Grenzen gesetzt wurden und das nie gelernt hat für sich selber zu sorgen.
    Auf diese Art kann eine solchen Beziehung so destruktiv sie irgendwann sein mag, zwar eine große Herausforderung sein, gleichzeitig hält sie ein riesiges Wachstumspotential für beide Partner bereit. Das ist eine Menge Arbeit keine Frage, doch aus meiner Erfahrung ein lohnenswerter Weg, der einen zu großer innerer Stärke führt.

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    • Ernsthaft?

      „Anmerkung: Auch die Menschen, die uns so zusetzen – ob wir sie nun Psychopathen, Narzissten, Hysteriker, oder wie auch immer bezeichnen, sind im Grunde genau wie wir verletze kleine Kinder, auf der Suche nach Annahme und Liebe, auch wenn Ihr Verhalten zweifelsohne sehr destruktiv ist. Es geht mir nicht darum, deren Verhalten zu entschuldigen, doch Liebespartner spüren diese Not und sind genau aus diesem Grund zu so vielen Zugeständnissen bereit. Eine Veränderung ist nur möglich, wenn der vermeintlich unterlegene Partner lernt ganz klare Grenzen zu setzten. Dann lässt sich schnell feststellen, dass die grandiose und selbstsichere Fassade des anderen sehr schnell bröckelt. Hinter der vermeintlichen Stärke, sitzt ebenfalls ein ganz kleines Kind, dem nie Grenzen gesetzt wurden und das nie gelernt hat für sich selber zu sorgen.
      Auf diese Art kann eine solchen Beziehung so destruktiv sie irgendwann sein mag, zwar eine große Herausforderung sein, gleichzeitig hält sie ein riesiges Wachstumspotential für beide Partner bereit. Das ist eine Menge Arbeit keine Frage, doch aus meiner Erfahrung ein lohnenswerter Weg, der einen zu großer innerer Stärke führt.“

      Sie wollen also allen ernstes behaupten persönlicher Wachstum entstünde durch das Mienenfeld dieser verletzten Kinder zu gehen? Nein, da wachse ich lieber an meinen Talenten mit Personen die das zu schätzen wissen und die ebenfalls lieber an ihren Talenten arbeiten, dass macht wesentlich mehr Spaß. :-)

      Und wenn mein Gegenüber eine verzogene Göre oder ein verzogener Rotzlöffel ist dann darf diese bröckelnde Fassade halt eben nicht mir mir spielen. Soll sich doch eine andere Seele damit herum plagen.

      Herrgott!

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  7. Ich bin echt am Anschlag.Meine Frau (wir sprechen z.H. meist englisch) schreit die Kinder an mit „I cannot talk“; „my word is not respected“, etc. Heute Abend bat ich sie, sich etwas mehr zu beherrschen; zumal sie unsere 5-monatige Hündin angeschreien hat, nachdem diese in der Küche zwei Eier zerbrochen hatte (ja, sie ist halt noch eine junge Wildsau“). Ich sagte meiner Frau, dass man deswegen nicht die Fassung zu verlieren brauche und ich das Material nachkaufe.

    Seit wir den Hund haben, lässt sie fast täglich verlauten, diesen nie gewollt zu haben. Einmal ist es das intelligenteste Tier und Minuten später „blöd“. Sogar unsere beiden Kinder widersprechen ihr, was sie bisher nie zu tun wagten. Das ist neu.

    Sie meint, der Hunde bringe nur Dreck, Wenn ich den Boden sauge oder aufnehme, putzt sie nach… Zudem kann sie sehr nachtragend sein. Bisher bat ioch vergeblich darum, den Tag um 23:59 enden zu lassen – mit alem Ballast und um 00:00 neu starten zu lassen, mit neuen Chancen.

    Zurück zum Hund: Tatsache ist, dass wir unsere Kinder bereits vor 3 Jahren den damaligen Hauseigentünmer selig vergeblich um eine Hundehalteerlaubnis gebeten hatten. Beim Suchen einer neuen Wohnung fragte sie mehrfach, ob Hundehaltung möglich sei.

    Als wir ein ausgesuchtes Tier nicht bekommen konnten, stellte sie mit meiner älteren Tochter (14) Nachforschungen zum Stammbaum an und wurde fündig. Flugs rief sie den Züchter an. Heute will sie von all dem nichts mehr wissen.

    Ein anderes Thema ist, dass unsere jüngere Tochter (wie die ältere) aufs Gymnasium möchte. Unsere Jüngere (11) hat es aber nicht immer so mit Konzentration. Sie rastet förmlich aus, wenn ich sie bitte, Lerneinheiten von 20 – 30 Minuten einzuhalten.

    Ein weiteres Thema ist die Tatsache, dass beide KLavier spielen und an Wettbewerben teilnehmen. Dies erfordert tägliches strukturiertes Üben. Meine Frau stört sich daran, zumal die Jüngere dann halt auch etwas quengelig wird, wenn mal an einer schierigeren Stelle gefeilt werden muss. Sie meint, dass dies alles „Scheisse“ sei und die Musiziererei das Familienleben störe.

    Ein weiterer und für mich fast unerträglicher Punkt ist, dass sie tagtäglich über sich selbst spricht: „die Kinder in der Pubertät und ich in der Menopause, ich sterbe wahrscheinlich frühzeitig“….Ich sehe dann jeweils nur, wie unsere Kinder mich anstarren und die Augen verdrehen, sich aber nichts zu sagen getrauen.

    Auch interessant: wenn es darum geht, z.B. mal an einen Familienanlass zu gehen, beginnt meist am Abend davor oder eine Stunde vor Abfahr ein Riesentheater wie „Ihr könnt mit Papa allein fahren“. Zu sagen ist, dass unseren Töchtern die Anwesenheit der Mutter sehr wichtig ist, wichtiger als die Meine. Das ist zwar nicht mehr so akzentuiert wie früher, aber immer noch gegenwärtig, wenn auch abnehmend.

    Besonders auffällig war letzthin, dass meine Frau darauf aus ist, dass sich die Kinder nunmehr warm anziehen (wir wohnen auf fast 1000 m.ü.M), um ja nicht krank zu werden, zumal sie dann den ganzen Pflegeaufwand habe. Unsere ältere Tochter will nun mal kein Body anziehen und hält von Winterschuhen ebensowenig. Ich selbst bin natürlich kein gutes Beispiel, weil ich barfuss im Schnee rumlaufe und ohne Handschuhe und Kaputze bei Schneetreiben nach draussen gehe.

    Die Pointe ist nun aber, dass vor einigen Tage meine in Wolle mumifizierte Eheffau sich eine Grippe eingefangen hatte. Mit meinem Kommentar, dass Grippe vorab eine Viruserkrankung sei und eben auch Warmangezoge befalle, konnte ich immer noch nicht überzeugen. Als ich meine Tochter dennoch anmahnte, sich morgens bei -8°C ein wenig besser einzupacken meine sie „Papa, Du siehts ja, dass das nix bringt. Wer hatte nun eine Grippe, die mama oder ich…..?“.

    Last but not löeast: wenn Besuch kommt, überkommt meine Frau ein Putzfimmel. Dann wird alles weggeräumt, damit die Gäste keinen falschen Eindruck erhalten. Dann wird gekocht, obwohl ich der Auffassung bin, etwas Einfaches täte es auch. Wer zu uns kommt nimmt uns so wi wir sind und besucht uns unseretwegen, nicht dafür, was wir zu bieten haben.

    Jeden zweiten Tag droht sie, davon zu laufen…..

    ICH WEISS EINFACH NICHT MEHR WEITER….

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    • Guten Morgen Markus,

      da ist ja einiges los bei Euch!
      Ich würde Deine Frau nicht als hysterisch bezeichnen, Sie ist einfach mit der momentanen Situation und sich selbst überfordert.

      Ein Hund macht viel Arbeit und Schmutz, und wenn Deiner Frau ein tadelloser Haushalt wichtig ist, ist das eine Belastung. Dann glaubt man die Kinder sind aus dem gröbsten raus, schon beginnt durch die wachsende Rebellion, die ganz natürlich und wichtig für die Pubertät ist, die mühsam aufgebaute „gute Erziehung“ zu bröckeln. Und dann noch Hormonveränderungen, die eine psychische Dünnheutigkeit und eine geringere Frustrationstoleranz bewirken. Da kann frau schon mal aus dem Gleichgewicht kommen! Im Grunde verändert bei Euch gerade die ganze Familienordnung, und jede Veränderung bedeutet Stress, für den einen mehr für den anderen weniger. Es kommen Themen an die Oberfläche, die angeschaut werden wollen, damit sie endlich Ruhe finden.

      Vermutlich kommt Deine Frau aus einer Familie in der Ordnung und Gehorsam oberstes Gebot war. Selbst wenn Sie darunter gelitten hat und vieles anderes machen wollte in Ihrer eigenen Familie, spult sich ab einen gewissen Stresslevel, das alte Programm wie automatisch ab. Die Emotionen sind so stark, dass Sie die bewusste Kontrolle verliert. Das ist anstrengend für alle Beteiligten, doch ein „normaler“ Mechanismus.

      Wie diese Spirale in Gang kommt, habe ich in folgendem Artikel ausführlicher beschrieben:
      https://elenapfarr.wordpress.com/2017/10/13/jeder-stress-hat-einen-tieferen-grund/#more-1668

      Des weiteren kann ich Dir den Vortrag von Günter Funke empfehlen, vielleicht mag ihn auch Deine Frau anhören, für ein besseres Verständnis der aktuellen Situation:
      Günter Funke: „Herausforderung Pubertät“
      http://vorarlberg.orf.at/radio/stories/2635090/

      Bleibt in Kontakt und sprecht miteinander. Je mehr Verständnis jeder für sich selbst und den anderen hat, desto schneller entspannt sich die Situation.
      Ich wünsche Euch viel Kraft und Klarheit!

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  8. Liebe Elena

    Besten Dank für die differenzierte und differenzierende Rückmeldung. Was es besonders schwierig macht, ist, dass bei meiner Frau ein einmal gestarteter Wutanfall sich über Tage hinwegziehen kann.

    Hinzu tritt, dass sie mir gegenüber in Anwesenheit der Kinder zu Bemerkungen „unter der Gürtellinie“ ausholt. Ich (57) bin aktuell aufgrund von Restrukturierungen von Arbeitslosigkeit betroffen. Es wirkt auf mich einschüchternd, wenn ich mir nach zahllosen erfolglosen Bewerbungen vorhalten lassen muss, dass einer wie ich mit meinem Wesen ohnehin keine Stelle finden würde; mein Auftreten schrecke jeden ab. Dabei komme ich nicht rsp. nur sehr selten zum Interview. Zudem meint sie, dass ja auch meine eigene Familie sich von mir zurückziehe (was keineswegs stimmt).

    Auf mein Bitten, sich professionelle Hilfe zu holen, zeigt sie sich resistent. Wir hatten in der Vergangenheit schon eine Eheberatungen aufgesucht. Sie akzeptiert seit Jahren ausschliesslich, was sie selbst als richtig erachtet.

    Mit Bezug auf die Kinder musste ich auch schon dazwischen, wenn sie ihnen „eine langen wollte“.

    Das nächste „Problem“ ist, dass ich bisher zwar gut verdient habe, aber nicht wirklih reserve anlegen konnte, rsp. wir uns auch nichts Besonderes leisten konnten. Ich selbst spüre zwar die finanzielle Knappheit, leide aber nicht so sehr darunter.

    Laufend sind auch meine gerichtlich angeordneten Unterhaltszahlungen an meine älteste Tochter aus erster Ehe Thema. Ich kann diese nicht eigenmächtig abändern. Hierbei uss ich mir vorwerfen lassen, Geld zu verschleudern.

    Eine strukturierte Diskussion mit ihr ist sozusagen unmöglich. Sobald sie merkt, dass sie mit ihren Argumenten nicht durchdringt, bricht sie die Diskussion ab.

    Ich glaube nicht, dass sie aus einem übertrieben auf Reinlichkeit bedachten Haushalt stammt (sie ist aus Malaysia). Auch dort sind zwei Hunde vorhanden, welche reichlich haaren. Und niemanden stört’s.

    Ihre Wutanfälle richten sich wechselweise gegen mich oder die Kinder. <

    Es muss doch möglich sein, dass ein Mensch ein gewisses Mass an "self-management" übt.

    Auch mich zerreisst es gelegentlich fast. Aber deswegen kann ich meinem Ärger nicht einfach freien Lauf lassen.

    es kann doch nicht sein, dass sich frau mit "Menopause" entschuldigt und hiermit ihr Verhalten heiligt.

    Meinerseits bin ich regelmässig zu Hause und beteilige mich an der Erzieheun, Hausaufgaben, Üben für den Instrumentalunterricht etc.

    Im resultat möchte ich einfach zur Ruhe finden. Wie soll das erreicht werden?

    Beste Grüsse

    Martin

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    • Guten Abend Markus,

      ich denke, dass jeder für seine eigenen Gefühle zuständig ist, und über ein gewisses Mass an „self-management“ verfügen sollte. Doch was ist ist! Byron Katie sagt so treffend: „Mit der Realität zu streiten, ist wie der Versuch einer Katze das bellen beizubringen – aussichtslos.“

      Es sind viele Dinge die bei Euch momentan zusammen kommen, auch der finanzielle Engpass durch Deine momentane Arbeitslosigkeit ist ein zusätzlicher Stressfaktor. Auch wenn Du Deine Gefühle unter Kontrolle hast und nicht wild um Dich schreist, bin ich sicher, dass Du in irgendeiner Form dazu beiträgst, den Konflikt am Laufen zu halten, vielleicht durch inneren Rückzug, mauern, etc. Schau genau hin was Dein Anteil ist. Nur diesen kannst Du verändern. Und vielleicht ist es sogar angebracht, Deinen Ärger laut zu äußern, um eine Grenze zu setzen.

      Auch wenn Deine Frau nicht zu einer gemeinsamen Beratung bereit ist, kannst Du für Dich selbst Unterstützung suchen. Wenn einer seine Haltung verändert, ändert sich das ganze System, vergleichbar einem Mobilie. Das ist aus meiner Erfahrung genauso wirkungsvoll.

      Viele Erfolg!

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  9. Hallo ich bin Doris
    Habe alle komentare gelesen.Teilweise konnte ich bei mir ahlnliche Veraltensweisen feststellen
    Z, Beispiel die Suche nach Zuneigung und die dann auf eine Person zu konzentrieren und dann total unglucklich sein wenn ich auf WIDERSTAND oder Ablehnung stoße.
    Ich habe diese Seite aufgesucht da mich jemand als typisch hysterische Person bezeichnet hat.Was kann ich tun um diesen Kreislauf zu durchbrechen.
    Ich bin 68 Jahre alt muss bestimmt noch eine Zeitlang leben was ich auch will doch wenn ich diese
    STRUKTUR HABEN wird es mir nie gelingen ein gluckliches Leben mit einen Partnernzu führen.
    Was mir auch noch nie wirklich gelungen ist in meinem langen Leben .Doch die Sehnsucht nach Nahe und Zartlichwkeit geht leider nicht weg
    Sonst konnte ich ganz gut leben
    Mir wird auch keine Therapie mehr helfen und wenn ja wo finden. Privat kann ich das nicht bezahlen.
    Kann ich alleine an mir arbeiten ein besserer Mensch zu werden.
    Meine Kindheit war leider so wie beschrieben ohne viel Liebe und Zuwendung ,
    Wäre für Tips dankbar
    Mf.g Doris

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    • Guten Tag liebe Frau Fiekers,

      jetzt hat es eine Weile gedauert mit einer Antwort. Ich hoffe Sie sind gut in der neue Jahr gestartet.
      Der erste Schritt für eine Veränderung ist Erkenntnis! beziehungsweise die Einsicht über das eigene Verhalten.

      Die Erfahrungen, die wir am Anfang unseres Lebens mit unseren Bezugspersonen machen, prägen unseren Blick auf die Welt. Wurden wir nicht gesehen und wahrgenommen so wie wir sind, wird es immer schwierig mit Liebesbeziehungen. Wir haben nie die Erfahrung gemacht, dass wir liebenswert und gut genug sind. In uns gibt es einen großen Mangel nach Liebe und Annahme. Treffen wir auf einen Liebespartner, hoffen wir endlich geliebt zu werden. Selbst wenn die Beziehung am Anfang ganz wunderbar ist, kann kein Partner auf der Welt unseren Hunger nach liebevoller Annahme dauerhaft stillen.

      Zu Anfang glauben wir, dass dieser Mensch uns sieht, genau so wie wir sind. Das gleiche denkt der Andere auch, man glaubt sich schon ewig zu kennen. Das glauben wir allerdings nur in der Zeit mit rosa Brille. Lässt der Hormoncocktail nach, stellen wir fest, der andere ist doch ganz anders. Er oder Sie hat ganz andere Wünsche, Ideen und Vorstellungen und vorallem bestätigt er uns längst nicht mehr so wie am Anfang. Wir sind enttäuscht und glauben, schon wieder falsch gewählt zu haben.

      Das Problem ist, solange wir die Überzeugung in uns tragen, dass wir nicht gut genug und nicht liebenswert sind, bekommen wir genau dies früher oder später vom Partner gespiegelt. Dies hat viel mehr mit unseren eigenen Überzeugungen zu tun, wie mit dem Verhalten unseres Gegenübers.

      Anstatt auf die große Liebe im außen zu hoffen, können wir uns selber erkunden, unsere Glaubenssätze und unsere negativen Zuschreibungen über uns selbst. Kennen wir diese Sätze der Selbstsabotage, können wir diese verändern. Das Ergebnis ist ein besseres Selbstwertgefühl, mehr innere Stärke und Balance. Erst wenn wir uns selber lieben und annehmen können, mit allen unseren Fehlern und Schwächen, können wir einen wirklicher Liebespartner sein, der auch sein Gegenüber annehmen kann, wie er/sie ist.

      Ich wünsche Ihnen eine spannende Entdeckungsreise zu sich selbst!

      Sie finden auf youtube zahlreiche Vorträge, die Sie auf diesem Weg unterstützen können. Unter den Stichworten „liebe dich selbst“ „inneres Kind“ „Selbstwertgefühl“ Wählen Sie aus, was Ihnen am meisten zusagt.

      Buchtips zum Thema:

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  10. Hallo, habe auch fast alles gelesen, mir ein Buch gekauft (Die Angst vor Zurückweisung) und über meine grundlegenden Persönlichkeitszüge einiges erfahren. Obwohl ich immer als introvertiert und zurückhaltend wahrgenommen wurde, aber schon nur anfangs, und schnell wurde ich Leuten zu anstrengend.
    Jedenfalls kann ich viele Verhaltensweisen aus meiner Jugend jetzt besser nachvollziehen. Die Sucht nach Anerkennung hat mir so manche Enttäuschung beschert. Nun bin ich fast 25 und lerne langsam, realistischer zu denken und zu handeln. Das Wissen ist also da, ich habe auch eine ambulante Therapie angefangen, aber diese Persönlichkeitsarbeit , also die Anwendung dieses Wissens, ist ne harte Nuss. Bloß gut, dass ich einen Partner hab, der mir klare Grenzen setzt.
    Wenn es etwas gibt, das beugt den Wahnsinn vor dann ist es, na wen wunderts, der trockene Humor..
    Und das gilt wahrscheinlich am meisten im Hinblick auf das eigene Selbst.

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    • Hallo Bianca,

      Persönlichkeitsarbeit ist sicher nicht immer einfach, doch es lohnt sich. Zumal Dir noch viel Zeit bleibt, für Veränderung und für ein entspannteres Leben mit guten Beziehungen.

      Alles Gute für Dich!

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